Grenzenlose Strafverteidigung

Rechtsanwalt Alexander Greithaner berät deutsche und ausländische Mandanten in internationalen Strafrechtsfällen. Auf Deutsch, Englisch und Spanisch.

In Zeiten der Globalisierung wird auch das Strafrecht zunehmend internationaler. Die Strafnormen selbst entstammen zwar ganz überwiegend noch rein nationalem Recht. Ermittlungsbehörden sind jedoch immer häufiger mit grenzüberschreitenden Delikts-Sachverhalten konfrontiert, bei deren Aufklärung sie auf die Hilfe eines anderen Staates angewiesen sind. Hieraus hat sich in der Praxis ein „internationales Strafrecht“ entwickelt, das ein Strafverteidiger kennen muss, der Mandanten bei grenzüberschreitenden Strafrechtsfällen effektiv beraten und vertreten will.

Rechtsanwalt Greithaner verteidigt internationale Mandanten auf Deutsch, Englisch und Spanisch.

Dass deutsche Ermittlungsbehörden mit ausländischen Kollegen zusammenarbeiten ist heute keine Seltenheit mehr. Für die betroffenen Privatpersonen aber auch Unternehmen führt dies oft zu großer Ungewissheit, da sie mit ausländischen Rechtsvorschriften und Verfahrensabläufen noch weniger vertraut sind als mit den nationalen Normen. Ein im internationalen Strafrecht erfahrener Verteidiger kann dem Mandanten die Unterschiede erläutern und ihn darauf vorbereiten, was in den verschiedenen Ländern voraussichtlich als nächstes geschehen wird.

Polizei und Staatsanwaltschaften verschiedener Länder arbeiten oft sehr unterschiedlich. Für eine effektive Verteidigung ist in diesem Fall neben der Kenntnis der eigenen Rechtsordnung auch ein entsprechendes Verständnis der internationalen und europarechtlichen Vorschriften zwingend nötig. Und natürlich hilft es, wenn man die praktischen Gepflogenheiten der Ermittlungsbehörden in verschiedenen Ländern kennt. Eine Verteidigungsstrategie, die für Deutschland sinnvoll ist, kann in Großbritannien oder Spanien zum Bumerang werden.

Wirtschaftsdelikte und mehr

Rechtsanwalt Alexander Greithaner arbeitet ausschließlich als Strafverteidiger. Seine Schwerpunkte sind nationale und internationale Wirtschaftsdelikte (White Collar Crime, Non Compliance, Steuerstrafrecht, Insolvenzdelikte etc.) sowie Auslieferungsverfahren. Aber auch Verkehrsstraftaten, Betäubungsmitteldelikte sowie Sexualstrafrecht.

Perfekt in drei Sprachen

Gerade für ausländische Mandanten ist es von größter Wichtigkeit, dass ihr deutscher Strafverteidiger sie auch sprachlich perfekt versteht, nicht nur die groben Eckdaten des Sachverhalts, sondern auch die feinen Nuancen. Der in Mexico City geborene Rechtsanwalt verfügt über hervorragende Englisch- und Spanischkenntnisse und kommuniziert deshalb auch mit anglo-amerikanischen sowie ibero-lateinamerikanischen Mandanten auf muttersprachlichem Niveau. Nur so kann der Mandant darauf vertrauen, dass alle wichtigen Informationen auch bei seinem Strafverteidiger ankommen und richtig bewertet werden.

Strafverteidiger-Netzwerk im englisch- und spanischsprachigen Raum

Und: Im internationalen Strafrecht geht es natürlich nicht ohne gutes Netzwerk. Rechtsanwalt Greithaner hat beste Kontakte zu Strafverteidigern in ganz Europa und darüber hinaus. Besonders gute Beziehungen bestehen zu Strafrechtsanwälten in England, Spanien, USA und Lateinamerika.

Sie erreichen Rechtsanwalt Alexander Greithaner in der Kanzlei Gabler & Hendel unter 0049-941-30794890. Im Notfall auch unter 0049-160-94403335.

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Cross Channel Lawyers ist ein Netzwerk von auf deutsch-britische und deutsch-amerikanische Rechtsfälle spezialisierten Anwälten, gegründet 2003 von Graf & Partner und deren Prozessrechtsabteilung GP Chambers. Falls Sie bei einer britisch-deutschen Rechtsangelegenheit Unterstützung benötigen, stehen Ihnen die deutschen Anwälte und Solicitors der Kanzlei Graf & Partner sowie die englischen Solicitors der Kanzlei Lyndales gerne zur Verfügung. Ihr Ansprechpartner in Deutschland ist Bernhard Schmeilzl, Rechtsanwalt & Master of Laws (Leicester, England), Telefon +49 (0) 941 – 463 7070.

Schenkungen sind in England komplett steuerfrei. Wirklich?

Erhebt das britische Finanzamt nun Schenkungsteuer oder nicht?

In Deutschland werden lebzeitige Schenkungen und Vermögensübertragungen von Todes wegen (also Erbschaften, Vermächtnisse, Pflichtteilserwerbe) steuerlich gleich behandelt. In § 1 Absatz 1 Erbschaft- und Schenkungsteuergesetz ist geregelt:

Der Erbschaftsteuer (Schenkungsteuer) unterliegen:
1. der Erwerb von Todes wegen;
2. die Schenkungen unter Lebenden;
3. …

Es gelten die selben Steuerfreibeträge, Steuerklassen und Steuersätze. Ob man also bereits zu Lebzeiten etwas verschenkt oder es erst später vererbt, führt in Deutschland prinzipiell zum identischen steuerlichen Ergebnis. Wobei eine Schenkung natürlich die Vorteile hat, dass sich die Freibeträge nach 10 Jahren wieder erneuern und dass der geschenkte Gegenstand (zum Beispiel eine Immobilie) bei frühzeitiger Schenkung noch keinen so hohen Wert besitzt, wie viele Jahre später beim Erbfall.

Wie werden Schenkungen in Großbritannien besteuert?

In England ist das Thema Schenkungsteuer erheblich komplizierter. Prinzipiell gilt:

Eine Schenkung zu Lebzeiten oder eine Übertragung von Vermögen auf einen Living Trust (was in UK häufig als Gestaltungsmittel genutzt wird) löst per se noch keine Steuer aus.

Eine eigenständige “Gift Tax” (Schenkungsteuer) als solche existiert in Großbritannien nicht und die lebzeitige Schenkung muss dem Finanzamt zunächst auch gar nicht gemeldet werden.

Aber das britische Steuerrecht kennt zwei praxisrelevante Ausnahmen, in denen es faktisch doch zu einer Steuer auf die lebzeitige Schenkung kommt:

1) Der Schenker verstirbt, bevor volle sieben Jahre seit der Schenkung vergangen sind (“gifts made within 7 years before death“). In diesen Fällen müssen die Erben die Schenkung doch noch in der Erbschaftsteuererklärung angeben. Das britische Erbschaftsteuerfinanzamt rechnet den Wert der Schenkung (zum Zeitpunkt der Schenkung) wieder zum Nachlass hinzu und erhebt hierauf Erbschaftsteuer (Inheritance Tax). Das englische Finanzamt tut also so, als wäre der Wert der Schenkung immer noch im Nachlassvermögen vorhanden. Sinn der Regelung ist, dass man nicht kurz vor seinem Tod Vermögenswerte zu Lasten des Erbschaftsteuerfinanzamts verschenken können soll. Die englische Inheritance Tax soll also nicht einfach durch “Schenkungen auf dem Totenbett” umgangen werden können.

2) Der Schenker behält sich ein Nutzungsrecht an dem Schenkungsgegenstand vor, zum Beispiel ein Wohnrecht an einer verschenkten Immobilie (“gifts with reservation of benefit“). Auch dann wird der Wert der Schenkung dem zu versteuernden Nachlass hinzugerechnet und löst Inheritance Tax aus.

Hiervon gibt es gemäß der Systematik des englischen Steuerrechts aber wiederum Unterausnahmen:

1) Kleingeschenke im Wert bis zu 250 britische Pfund.

2) Schenkungen bis zu einem Gesamtwert von 3.000 britische Pfund pro Jahr. Wichtig für die zeitliche Planung solcher Schenkungen: Es gilt für die Nutzung dieses Schenkungsteuerfreibetrags nicht das Kalenderjahr, sondern das britische Steuerjahr (Tax Year), also von 6. April bis 5. April.

3) Schenkungen an Ehegatten (spouses) oder eingetragene Lebenpartner (civil partners), weil hier ja ohnehin der unbegrenzte Ehegattenfreibetrag gilt (unlimited spouse exemption).

Soweit die Systematik der steuerlichen Behandlungen von lebzeitigen Schenkungen im Vereinigten Königreich. Wer ganz konkret wissen will, wie das britische Finanzamt solche Schenkungen abfrägt und behandelt, kann sich hierzu das einschlägige Steuerformular IHT 403 ansehen. Informationen zur englischen Erbschaftsteuer, den Freibeträgen und Steuersätzen finden Sie hier:

Erbschaftssteuer in England: Steuersätze, Freibeträge, Anrechnung

Die 2003 gegründete Kanzlei Graf & Partner ist mit ihrer englischspachigen Prozessabteilung (GP Chambers) auf grenzüberschreitende Rechtsfälle spezialisiert, insbesondere auf deutsch-britische und deutsch-amerikanische Wirtschaftsstreitigkeiten, Scheidungen und internationale Erbfälle. Falls Sie bei einer anglo-amerikanischen Rechtsangelegenheit sowie in Erbschaftsteuerfragen Unterstützung benötigen, stehen Ihnen die Anwälte der Kanzlei Graf & Partner mit ihrem internationalen Netzwerk in Europa sowie im außereuropäischen englischsprachigen Rechtsraum gerne zur Verfügung. In UK, Kanada sowie den meisten großen US-Bundesstaaten verfügen wir über gute persönliche Kontakte zu Attorneys-at-Law in mittelgroßen Kanzleien.

“Der Stamm der Sioux wurde ordnungsgemäß benachrichtigt”

So der Beschluss vom 23. April 2018 des Circuit Court in Minnehaha County, South Dakota, USA. Wohl gemerkt ging es nicht etwa um eine Immobilienangelegenheit, eine Kasino-Lizenz im Reservat oder eine ähnliche Rechtsfrage, bei der man an amerikanische Ureinwohner denken würde. Der Fall war ganz einfach.

Ein deutscher Erblasser war in Deutschland verstorben ohne ein Testament zu hinterlassen. Eine der gesetzlichen Miterbinnen war seine 12jährige Enkelin. Diese lebte in USA bei einer Pflegefamilie, weil die nach USA ausgewanderten Eltern einige Jahre darauf bei einem Autounfall verunglückt waren.

Vormundschaft und Vermögenssorge in USA

Der vom deutschen Gericht bestellte Nachlasspfleger in Hamburg hat uns damit beauftragt, einen Nachweis aus USA dafür beizubringen, wer die minderjährige Miterbin rechtlich vertreten darf. Nach längerer Korrespondenz stellte sich heraus, dass dort bislang noch kein Gerichtsbeschluss hierüber existierte. Wir beantragten daher, dass der besagte County Court von Minnehaha im Bundesstaat South Dakota die Pflegemutter zum “Conservator” bestellt, vergleichbar einem deutschen Vormund. Ein solcher Conservator übernimmt (in der Regel) auch die Vermögenssorge

„ … shall have the authority regarding the … financial affairs…“

und muss dem US-Vormundschaftsgericht gegenüber regelmäßig einen Bericht abgeben (inkl. Vermögensaufstellung). Ein solcher Beschluss sowie der dazugehörige Vormundschaftsausweis (Letter of Conservatorship) genügt daher als Absicherung, um Erbanteile oder Pflichtteilsansprüche an in den USA lebenden Minderjährige auszuzahlen.

Und – Kuriosität am Rande – obwohl dieser deutsch-amerikanische Erbfall keinerlei Bezug zu Native Americans aufweist (Indianer sagt man schon lange nicht mehr), haben wir dabei gelernt, dass jeder Gerichtsbeschluss in Minnehaha County dem Stamm der Oglala Sioux zugestellt werden muss.

Hough, das Gericht hat gesprochen!

Falls Sie ein Rechtsproblem in Amerika haben und einen Attorney at Law benötigen, fragen Sie uns gerne.

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Das deutsch-britische Anwaltsteam der Kanzlei Graf & Partner löst seit 2003 deutsch-britische und deutsch-amerikanische Rechtsfragen. Die Prozessabteilung GP Chambers berät und vertritt deutsche, britische und US-amerikanische Unternehmen in Arbitrationverfahren wie in Gerichtsprozessen.

Infos zu US-amerikanischen Rechtsfragen, Vertragsgestaltung US-Style und Abwicklung deutsch-amerikanischer Erbfälle in diesen Posts:

Immobilienkauf in USA: Strandhaus in Malibu? So geht’s

Immobilienerwerb in den USA: Gibt es Beschränkungen für Ausländer?

See you in Court: Nicht von US-Anwälten einschüchtern lassen

Erbschaft aus USA: Was nun?

Die Erbtante  in USA – es gibt sie doch!

Der Verstorbene hatte Bankkonten oder Aktien in USA: Eigener US-Erbschein nötig?

Haftungsfalle für Erbrechtsanwälte: In USA und GB gibt es keine transmortale Vollmacht

Das US-Erbrecht kennt keine Pflichtteilsanspruch? Blödsinn

– Berufsrecht für US-amerikanische Rechtsanwälte

– Wie im Hollywood-Spielfilm: “You have been served!” (Zustellung in UK und USA)

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Oder geben Sie Ihren Suchbegriff im Suchfeld rechts oben ein. In unseren Blogs finden sich noch hunderte weiterer Beiträge unserer Experten zu deutsch-britischem und deutsch-amerikanischem Recht.

Erbschaftsteuererklärung in England: Crash Kurs für deutsche Steuerberater

Intensivseminar: Wie gibt man eine britische Erbschaftsteuererklärung ab?

Die Erbschaftsteuer (Inheritance Tax) in Großbritannien folgt ganz anderen Grundprinzipien als die deutsche Schenkungs- und Erbschaftsteuer. Als Stichworte nur: abweichende gesetzliche Erbfolge, kein Pflichtteil, Direktbesteuerung des Nachlasses (statt des jeweiligen Begünstigten), unbegrenzter Ehegattenfreibetrag, Testamentary Trusts als Gestaltungs-Regelfall in englischen Testamenten. Die Basics der britischen Inheritance Tax haben wir hier erklärt.

Wann ist bei einem deutschen Erbfall das englische Steuerrecht relevant?

Immer dann, wenn sich im Nachlass Vermögensgegenstände befinden, die in Großbritannien liegen. Und zwar, im Unterschied zu Deutschland, egal ob es sich dabei um Immobilien und wesentliche Unternehmensbeteiligungen handelt oder nur um bewegliches Vermögen (zum Beispiel Bankkonten). Der britische Fiskus (HMRC) besteuert immer alle in UK liegenden Nachlassgegenstände, wenn deren Gesamtwert die Freigrenze (nil-rate band) übersteigt. Auch wenn der Verstorbene kein Brite war und selbst wenn er keinen Wohnsitz in UK hatte. Ausnahmen gelten unter bestimmten Konstellationen für Ehegatten und gemeinnützige Organisationen als Empfänger.

Noch schlimmer ist es, wenn der Verstorbene sein Domicile im Vereinigten Königreich hatte oder wenn er erst weniger als drei Jahre vor seinem Tod aus UK weggezogen ist. Dann besteuert der englische Fiskus nämlich das gesamte Weltvermögen des Erblassers. Und zwar mit dem satten Pauschalsteuersatz von 40%. Unabhängig vom Verwandtschaftsgrad, also selbst wenn die Kinder des Verstorbenen die Erben sind.

Kann man sich als deutscher Steuerberater trauen, die Erbschaftsteuererklärung in England selbst abzugeben?

Nun, wir machen dies seit 2003 und et hät noch immer jot jejange. Aber im Ernst: Je nach Fallkonstellation kann die englische Erbschaftsteuererklärung völlig banal sein. Zum Beispiel wenn nur der Erblasser nie in England gelebt hat und dort nur ein “kleines Bankkonto” besaß, also nur das vereinfachte zweiseitige Formular IHT 207 ausgefüllt werden muss.

War der Erblasser dagegen Brite war hatte er zumindest einen Wohnsitz in UK, wird es erheblich mühsamer. Dann greift nämlich das umfassende Formular IHT 400 mit diversen Anlagen, mit Erläuterungen und Berechnungstabellen sind das insgesamt gut 150 Seiten.

In solchen Fällen besteht die Kunst zunächst darin, die für den internationalen Erbfall wirklich relevanten Formulare zu identifizieren. Die IHT Forms sind nämlich keineswegs selbsterklärend und für einen deutschen Steuerberater manchmal verwirrend, weil sie auf deutsch-britische Konstellationen nicht so recht passen. Man muss sich daher trauen, manche Formularpassagen einfach komplett durchzustreichen und groß “not applicable” quer über die Seite zu schreiben.

Selbst solche Fälle bekommt man aber gut in den Griff, wenn man die Grundprinzipien des englischen Erbschaftsteuerrechts einmal verstanden hat. Für deutsche Steuerkanzleien, die regelmäßig mit deutsch-britischen Erbfällen zu tun haben, kann es daher finanziell sehr lukrativ sein, sich in dieses Thema einzuarbeiten, um ab dann auch das IHT 400 Formular für die deutschen Erben selbst ausfüllen zu können. Denn die Alternative ist, die englische Steuererklärung von einem englischen Solicitor erstellen zu lassen. Zu Stundensätzen von in der Regel nicht unter 250 Pfund und mit langer Wartezeit, denn Solicitors sind nicht für ihre extrem schnelle Bearbeitung solcher internationaler Erbfälle berühmt.

Unsere Anwälte halten zu all diesen Themen rund um deutsch-britische Erbfälle regelmäßig Seminare und Workshops, sowohl für deutsche Steuerberater als auch für englische Solicitors, die wiederum oft die deutschen Seite nicht auf dem Bildschirm haben.

Gerne vermitteln wir auch den Steuerberatern und Fachanwälten für Steuerrecht Ihrer Kanzlei im Rahmen eines eintätigen Praxisseminars einen Einblick in die Erbrechts- und Steuerpraxis Englands.

Wir erläutern die häufigsten Missverständnisse zwischen deutschen und Britischen Beratern, verraten Tipps, wie deutsche Erben auf der Insel am schnellsten an ein Nachlasszeugnis gelangen, die englische Steuererklärung kosteneffizient erstellen und wie man doppelte Erbschaftsteuer vermeidet.  

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Die 2003 gegründete Kanzlei Graf & Partner ist mit ihrer englischspachigen Prozessabteilung (GP Chambers) auf grenzüberschreitende Rechtsfälle spezialisiert. Falls Sie bei einer anglo-amerikanischen Rechtsangelegenheit sowie in Erbschaftsteuerfragen Unterstützung benötigen, stehen Ihnen die Anwälte der Kanzlei Graf & Partner  gerne zur Verfügung. Telefon +49 (0)941 / 463 70 70.

Schenkungen an Stiefkinder: Finanzamt überraschend kulant

Stiefkinder sind heutzutage keine Seltenheit: Gut 13 Prozent der Familien in Deutschland sind sog. Patchwork-Konstellationen, d.h. einer der Ehepartner hat aus einer früheren Beziehung ein Kind mit in die jetzige Ehe gebracht. Verwandt ist dieses Kind dann nur mit einem der Ehepartner. Der andere Ehepartner ist – sofern er oder sie das Kind nicht adoptiert –  weder biologisch noch rechtlich verwandt, sondern lediglich verschwägert (obwohl man den Begriff für diese Konstellation alltagssprachlich nicht verwendet).

Das Stiefkind hat deshalb, wenn Stiefvater oder Stiefmutter stirbt, auch kein gesetzliches Erbrecht, geht also ohne Testament komplett leer aus. Im BGB kommt der Begriff Stiefkind auch gar nicht vor, weder im Kapitel Erbrecht, noch im Kapitel Familienrecht.

Das Stiefkind im Erbschaftsteuerrecht

Was aber, wenn Stiefvater oder Stiefmutter ein gutes Verhältnis zu ihrem Stiefkind haben, das viele Jahre bei ihnen im Haushalt lebte, und es deshalb im Testament bedenken wollen, entweder als (Mit-)Erbe oder als Vermächtnisnehmer.

In dieser Konstellation vermuten die meisten unserer Mandanten, dass das Stiefkind steuerlich nur einen geringen Freibetrag zur Verfügung hat und das Erbe oder die Schenkung in der ungünstigsten Steuerklasse versteuern muss. Es ist ja schließlich nicht verwandt.

Doch siehe da: Das deutsche Steuerrecht behandelt Stiefkinder keineswegs, nun ja, stiefmütterlich. Zur großen und freudigen Überraschung vieler Mandanten in Patchwork-Familien stellt § 15 Abs. 1 Nr. 2 Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG) Stiefkinder und leibliche Kinder absolut gleich.

Stiefkinder haben, wie leibliche oder adoptierte Kinder, einen Schenkungs- bzw. Erbschaftsteuerfreibetrag von 400.000 Euro und es gelten für sie die humanen Steuersätze der Steuerklasse I (beginnend bei 7%). Stiefkinder sind somit erbschaft- und schenkungsteuerlich den leiblichen Kindern gleichgestellt.

Es geht sogar noch weiter: Selbst wenn die Patchwork-Familie wieder auseinandergeht, sich also leiblicher Elternteil und Stiefelternteil wieder scheiden lassen, behält das Stiefkind im Verhältnis zu seinem Ex-Schwiegervater bzw. zur Ex-Schwiegermutter diese steuerliche Privilegierung. Juristisch formuliert: Die Stiefkindschaft besteht steuerlich betrachtet auch dann fort, wenn die die Stiefkindschaft begründende Ehe erloschen ist (BFH v. 19.4.1989, II R 27/86, BStBl II 1989, 627).

Der Bundesfinanzhof argumentiert:

Die Begünstigung der Stiefkindschaft habe ihren Grund darin, dass ein Ehepartner auch zu solchen Kindern, die nur von dem anderen Teil abstammen und keine gemeinsamen Kinder sind, tatsächliche (persönliche) Bindungen haben kann; diese Beziehungen sollen in gleicher Weise wie diejenigen zwischen Eltern und ihren leiblichen Kindern begünstigt werden. Deshalb sei es unerheblich, ob die Ehe zur Zeit des Erwerbsvorgangs noch besteht oder infolge Tod oder Scheidung beendet ist. Denn vom Fortbestand der Ehe seien die Beziehungen, welche der Gesetzgeber als begünstigenswert ansieht, nicht abhängig. Auch für Stiefkinder sind alle anderen verwandtschaftlichen Einstufungen i.S. d. § 15 ErbStG wie bei leiblichen Kindern vorzunehmen (BFH v. 6.9.1989, II R 87/87, BStBl II 1989, 898; H E 15.1 ErbStH 2011).

 

Fraglich ist allerdings, ob das auch dann gilt, wenn vom zeitlichen Ablauf her gar keine Chance für den Aufbau einer solchen persönlichen Bindung bestanden hat. Wenn also zum Beispiel M und F1 in erster Ehe das gemeinsame Kind K hatten, sich nach 30 Jahren Ehe scheiden ließen und M dann F2 heiratet. Kann F2 dann, wenn es aus welchen Gründen auch immer das Kind K gerne mag, diesem auch 400.000 Euro steuerfrei schenken? Obwohl K zum Zeitpunkt der zweiten Eheschleißung längst erwachsen war und nie im Haushalt von F2 gelebt hat? Ich habe hier so meine Zweifel, ob die Kulanz des Finanzamts auch diese Konstellation abdeckt. Urteile zu dieser Gestaltung gibt es wohl nocht nicht.

Fazit:

Im Ergebnis hat ein Erblasser wegen § 15 und § 15 ErbStG die Möglichkeit, auch Stiefkindern, zu denen er oder sie ein gutes persönliches Verhältnis aufgebaut hat, hohe Beträge zu Lebzeiten zu schenken oder in einem Testament zu vermachen.

Weitere Informationen zu Testamentsgestaltung und Erbrecht:

Enterbt ist halb so schlimm: So macht man den Pflichtteil geltend (Muster-Anspruchsschreiben)
Checkliste Nachlassverzeichnis: Korrekte Berechnung des Pflichtteilsanspruchs
Wenn schon enterben, dann aber richtig
Die Entziehung des Pflichtteils: wichtige Urteile
Wozu ein Testamentsvollstrecker
Albtraum des Erbrechtlers: Das Niederstwertprinzip
Was kostet ein Testamentsvollstrecker?
Aushebeln des Pflichtteils durch Darlehen des späteren Erben?
Wenn Erben mauern: Ab wann verzinst sich der Pflichtteil?
Testierunfähigkeit wegen Demenz
Wie geht ein Berliner Testament (Mustertext)
Kann man seinen Arzt zum Erben einsetzen?
Info-Broschüre “Fakten zum Erbrecht”
Nachteile des Berliner Testaments

Die 2003 gegründete Anwaltskanzlei Graf & Partner ist neben der Beratung in deutschen Erbfällen auch spezialisiert auf Erbfälle mit Bezug zu Österreich, der Schweiz sowie zu  anglo-amerikanischen Jurisdiktionen (England, Schottland, USA, Kanada, Australien und Südafrika), also speziell die Abwicklung deutsch-österreichischer und deutsch-schweizer Nachlassangelegenheiten sowie deutsch-britischer, deutsch-amerikanischer und und deutsch-kanadischer Erbfälle. Wer sich mit der Abwicklung einer komplizierten internationalen Nachlassangelegenheit konfrontiert sieht, muss nicht verzweifeln. Die Anwälte für internationales Erbrecht haben lange Jahre praktische Erfahrung und unterstützen die Erben, Testamentsvollstrecker oder Nachlassverwalter gerne. Wir prüfen und strukturieren den Erbfall und dessen steuerlichen Auswirkungen, organisieren die in den jeweiligen Ländern nötigen Maßnahmen, nehmen auf Wunsch Kontakt zu den Erbrechtsexperten im jeweiligen Ausland auf (von USA und England über Südafrika bis Australien), und koordinieren die Nachlassabwicklung. Dies vermeidet Doppelarbeit und beschleunigt den Zugriff auf das ausländische Erbe.

Falls Sie bei einem konkreten Erbfall rechtliche Unterstützung benötigen, stehen Ihnen die deutschen Anwälte der Kanzlei Graf & Partner sowie deren Partneranwälte in Österreich, der Schweiz, England, Schottland und Irland gerne zur Verfügung. Ihre Ansprechpartner sind Rechtsanwältin Katrin Groll und Bernhard Schmeilzl, Rechtsanwalt & Master of Laws (Leicester, England), zentrale Rufnummer: 0941 463 7070.

Erbschaft aus England: Wer zahlt die britische und wer die deutsche Erbschaftsteuer?

Oder: Was englische Erbrechtsanwälte (Will Solicitors) bei der Gestaltung von “Last Wills” fast immer vergessen

Nach britischem Steuerrecht wird die Erbschaftsteuer (Inheritance Tax) direkt vom Nachlass erhoben und zwar sofort, also schon bevor überhaupt der englische Erbschein (Grant) erteilt wird. Wer die Begünstigten sind, kann dem britischen Finanzamt damit (fast) egal sein, denn die Steuer wird eingezogen, bevor das verbleibende Nachlassvermögen unter den Miterben verteilt wird. Wer somit wirtschaftlich betrachtet die englische Erbschaftsteuer trägt (von wessen Erbteil die Steuer also bei der Verteilung der nach Steuer verbleibenden Erbmasse abgezogen wird), müssen die Begünstigten im Innenverhältnis unter sich ausmachen. Hier kann es – vor allem bei unklaren Testamenten – zu massivem Streit kommen.

Was bedeutet “free of tax”? Und meint die Klausel auch die deutsche Erbschaftsteuer?

Ich habe bereits in einem früheren Beitrag erklärt, warum die in England oft verwendete “free of tax” Klausel für einen deutschen Vermächtnisnehmer oder Miterben zum Eigentor werden kann. Die vom Testamentsersteller gut gemeinte Klausel führt nämlich dazu, dass der deutsche Begünstigte keine Anrechnung der englischen Inheritance Tax nach § 21 ErbStG beantragen kann.

Aber auch die umgekehrte Fallkonstellation führt zu schwierigen Fragen bei der Abwicklung deutsch-britischer Erbfälle. Manchmal möchte der englische Erblasser (Testator) jemandem ein Vermächtnis zuwenden, aber die übrigen Erben nicht mit der englischen Inheritance Tax belasten, die auf dieses Vermächtnis entfällt.

Ein Beispiel: Der Erblasser besitzt 500.000 Pfund in bar und eine Immobilie im Wert von 500.000 Pfund. Wendet er im Testament das Geld dem Begünstigten A zu und die Immobilie dem Begünstigten B, dann ist die (leicht vereinfachte) Steuerberechnung und Verteilung des Restnachlasses wie folgt:

Nachlasswert insgesamt 1.000.000 Pfund
./. minus Freigrenze (nil-rate band) von 325.000 Pfund
Der Rest von 675.000 wird mit 40% besteuert, somit resultiert eine UK Inheritance Tax (IHT) von 270.000 Pfund. Diese Inheritance Tax wird aus dem Nachlass bezahlt, faktisch also aus den 500.000 Pfund Bargeld. Für das englische Finanzamt ist das Thema damit beendet. Nicht aber im Innenverhältnis zwischen A und B:

Will B die Immobilie vom Executor (Nachlassverwalter) übertragen bekommen, muss er zuvor seinen Anteil an der UK-IHT (135.000 Pfund) an den Executor überweisen, sonst trägt A im Innenverhältnis ja zu viel an Steuer. Wohnt A in Deutschland, kann er die auf ihn (genauer gesagt auf die UK-Immobilie) entfallende englische Erbschaftsteuer aber wenigstens auf die deutsche Erbschaftsteuer anrechnen lassen (§ 21 ERbStG).

 

Abwandlung 1: Der Testator schreibt im Testament, dass B die Immobilie “free of tax” erhält. Das ist für A betrüblich, denn dann trägt A die gesamte englische Erbschaftsteuer von 270.000 Pfund aus seinem 500.000 Pfund-Erbanteil. Aber: Wohnt B in Deutschland, muss er die erlangte Immobilie natürlich in Deutschland versteuern. Wegen der “free of tax” Klausel entfällt nun aber in Deutschland die Anrechnung nach § 21 ErbStG. In Gesamtbetrachtung ist diese Gestaltung daher ungeschickt, weil insgesamt mehr Steuern anfallen, als nötig gewesen wäre.

Abwandlung 2: Der Testator will erreichen, dass B die komplette Erbschaftsteuerlast, die aus der Immobilie in UK resultiert, allein trägt, dem Begünstigten A also der englische Freibetrag (nil-rate band) von 325.000 Euro ungeschmälert zur Verfügung steht. Hierzu wird in der Praxis der Erbrechtsanwälte meist eine Formulierung wie diese gewählt:

“I give to B my house situate at … AND SUBJECT to the due payment by said B  in full exoneration of my estate of all liability in respect of inheritance tax payable by reason of my death attributable to the said property or this gift without taking into consideration the nil-rate band.”

Diese Formulierung ist also das Gegenteil von “free of tax”. Der Vermächtnisnehmer kann vom Executor die Übertragung des Hauses erst verlangen, nachdem er dem nachlass die komplette englische IHT erstattet hat. Auch in dieser Konstellation fällt natürlich auch wieder deutsche Erbschaftsteuer an, falls der Begünstigte in DE wohnt. Aber wenigstens gelingt hier wieder die Anrechnung der ausländischen (englischen) Steuer nach § 21 ErbStG.

Fast kein englisches Testament berücksichtigt die deutsche Steuer

Man sieht, wer internationale Testamente gestaltet, sei es als englischer Solicitor oder deutscher Rechtsanwalt, steht ganz schnell mit beiden Beinen im Fettnapf, ohne es vielleicht auch nur zu merken. Wenn Sie also mit einem deutsch-britischen Erbfall befasst sind oder ein Testament für einen Mandanten gestalten sollen, der Nachlassvermögen in anglo-amerikanischen Ländern (sog. Common Law Jurisdiktionen) besitzt, sollten Sie das Testament zur Sicherheit vielleicht einmal auf die damit im Ausland erzeugten zivilrechtlichen und steuerlichen Folgen hin prüfen lassen.

Unsere englischen Solicitors und deutschen Rechtsanwälte halten hierzu an Universitäten, für Anwaltskammern, Steuerberaterkammern und für interessierte Erbrechts- und internationale Steuerberaterkanzleien regelmäßig Seminare und Workshops. Wenn Sie Interesse am Thema internationale Nachlassabwicklung und internationale Erbschaftsteuer haben, vermitteln wir im Rahmen eines 90‑minütigen Vortrags gerne einen Einblick in die Erbrechtspraxis Großbritanniens, Irlands, Australiens und der USA. Wir erläutern die häufig auftauchenden Missverständnisse und verraten einige Tipps, wie man bei den Nachlassgerichten in Common Law Jurisdiktionen schneller ans Ziel kommt.

Weitere allgemeine Informationen zu Erbrecht, Nachlassabwicklung und Erbschaftsteuer in Deutschland, UK und anderen Commonwealth Ländern:

Die 2003 gegründete Kanzlei Graf & Partner ist mit ihrer englischspachigen Prozessabteilung (GP Chambers) auf grenzüberschreitende Rechtsfälle spezialisiert, insbesondere auf deutsch-britische und deutsch-amerikanische Wirtschaftsstreitigkeiten, Scheidungen und internationale Erbfälle. Falls Sie bei einer anglo-amerikanischen Rechtsangelegenheit sowie in Erbschaftsteuerfragen Unterstützung benötigen, stehen Ihnen die Anwälte der Kanzlei Graf & Partner mit ihrem internationalen Netzwerk in Europa sowie im außereuropäischen englischsprachigen Rechtsraum gerne zur Verfügung. In UK, Kanada sowie den meisten großen US-Bundesstaaten verfügen wir über gute persönliche Kontakte zu Attorneys-at-Law in mittelgroßen Kanzleien. Sie erreichen uns unter +49 941 463 7070.

Briefmarkensteuer?

Wie hoch ist die Grunderwerbsteuer bei Immobilienkauf in England?

Nein, mit Briefmarken hat die “Stamp Duty” nichts zu tun. Stamp Duty (Stempelsteuer), präziser gesagt “Stamp Duty Land Tax (SDLT)” ist vielmehr der Fachbegriff für die im Vereinigten Königreich geltende Grunderwerbsteuer.

Bei dieser Stamp Duty hat sich im November 2017 einiges geändert. Wer bislang immer der Meinung war, nur deutsche Steuergesetze sind kompliziert und voller Ausnahmen und Unterausnahmen, der möge sich die von unserer Londoner Partnerkanzlei Lyndales erstellte Grafik zur englischen Grunderwerbsteuer mal ansehen. Die vielfach ausgezeichnete Londoner Immobilienrechtsexterin Kay Piper erklärt in diesem Flussdiagramm, bei welchem Steuerbetrag man je nach Fallkonstellation landet.

Vor allem für deutsche Mandanten, die eine Immobilie in Großbritannien erwerben wollen, ist es wichtig, die jeweiligen Steuerkategorien durchzurechnen. So kann es erheblich günstiger sein, wenn die jüngste Generation die Immobilie kauft, weil “first time buyers” erheblich weniger Grunderwerbsteuer zahlen müssen.

Falls Sie rechtliche Unterstützung bei einer konkreten Immobilientransaktion in Großbritannien oder in den USA (dort gelten wieder andere Regeln) benötigen, stehen Ihnen die Anwälte der Kanzlei Graf & Partner sowie die englischen Solicitors der Partnerkanzlei Lyndales gerne zur Verfügung. Ihr Ansprechpartner ist Bernhard Schmeilzl, Rechtsanwalt & Master of Laws (Leicester, England), Telefon +49 (0) 941 – 463 7070.

Weitere Beiträge zu den Themen Immobilienkauf in England und den USA sowie Testamentsgestaltung bei Vermögen im Ausland hier:

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Die 2003 gegründete Kanzlei Graf & Partner ist mit ihrer Abteilung für britisch-deutsche Prozessführung (GP Chambers) auf grenzüberschreitende Rechtsfälle spezialisiert, insbesondere auf deutsch-britische sowie deutsch-amerikanische Wirtschaftsstreitigkeiten, Scheidungen und Erbfälle. Das Experten-Team deutscher und englischer Anwälte und Steuerberater regelt internationale Erbfälle und wickelt Nachlässe für die Erben in Deutschland, USA, England und anderen Common Law Rechtsordnungen ab.

Englische Anwälte werden immer nervöser: “Law Society” ruft zu Briefaktion auf

Den englischen Solicitors wird immer klarer vor Augen geführt, dass mit Wirksamwerden des Brexit die Dienstleistungsfreiheit (freedom to provide services) verloren gehen wird, insbesondere wenn es zum von Theresa May angestrebten “hard Brexit” kommt. Ein aktueller Artikel des “Guardian” (eine eher linke Tageszeitung) fasst die Probleme gut zusammen.

Viele englische Wirtschaftskanzleien beraten in EU-Mitgliedsstaaten, auch in Deutschland. Die altehrwürdige englische Law Society ruft nun sogar alle ihre Mitglieder dazu auf, Briefe an ihre MPs zu schreiben, also an die Parlamentsabgeordneten, um den Politikern klar zu machen, was ein Wegfall der Dienstleistungsfreihet für die englische Anwaltschaft bedeuten würde. Für die sonst eher zurückhaltend agierende Law Society ein erstaunlich offensiver Schritt, der zeigt, wie blank die Nerven bei den britischen Anwaltskollegen liegen. Hier zur Briefaktion.

Mehr zum Brexit hier:

Die “Brexit-Panik-Klauseln” der englischen Anwaltskanzleien

Stop Brexit-Kampagne nimmt Fahrt auf

Brexit und Familienrecht: Was ändert sich?

 Brexit und die Folgen für internationale Anwaltskanzleien

Brexit-Fahrplan: Englischen Solicitors wird langsam mulmig

Der Brexit und ich

Gilt ein deutsches Testament in England? Auch nach Brexit?

Weitere Informationen zu deutsch-britischer Vertragsgestaltung, zu Rechtsstreitigkeiten mit Briten oder vor britischen Gerichten, zur englischen Zivilprozessordnung, Prozessführung und Zwangsvollstreckung in UK finden Sie in diesen Posts:

Wie sieht eine Zivilklage in England aus?

UK Zivilprozessordnung und Expertengutachten in England

Anwaltliche Versicherung in UK” (solicitor’s undertaking)

Mandant lügt im Zivilprozess, Anwalt haftet: Harte ZPO-Regeln vor englischen Gerichten

Mal schnell Klage einreichen? Nicht in England

Wie im Hollywood-Spielfilm: “You have been served!” (Zustellung in UK und USA)

Sie wollen einen EU-Titel in Großbritannien vollstrecken? Wie gut sind Ihre Nerven?

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Die 2003 gegründete Kanzlei Graf & Partner ist mit ihrer Abteilung für britisch-deutsche Prozessführung (GP Chambers) auf grenzüberschreitende Rechtsfälle spezialisiert, insbesondere auf deutsch-britische Vertragsgestaltung, Wirtschaftsstreitigkeiten, Scheidungen und Erbfälle.

Wir führen regelmäßig Intensivschulungen für Manager zum Thema englisches Vertragsrecht sowie zu den Rechten und Pflichten des Geschäftsführeres einer Limited Liability Company, sei es Gruppenseminare oder Einzelschulungen.

Falls Sie bei einer britisch-deutschen oder amerikanisch-deutschen Rechtsangelegenheit Unterstützung benötigen, stehen Ihnen die deutschen Anwälte und Solicitors der Kanzlei Graf & Partner sowie die englischen Solicitors der Kanzlei Lyndales gerne zur Verfügung. Ihre Ansprechpartner in Deutschland sind Bernhard Schmeilzl, Rechtsanwalt & Master of Laws (Leicester, England) und Elissa Jelowicki, Solicitor.

Das Erbe bekommt nur, wer nett zum Trustee ist: Das “absolute Ermessen” des Testamentsvollstreckers in englischen Testamenten

Was ist der Sinn und Zweck eines “Testamentary Discretionary Trust”? Und wie funktioniert das in der Praxis?

Im anglo-amerikanischen Erbrecht gibt es keinen Erben nach deutschem Rechtsverständnis. Damit gibt es erst recht keine Vor- und Nacherbschaft. Und auch keine bedingte Erbeinsetzung. Wenn ein Testamentsersteller in England, USA, Australien oder einem anderen Common Law Land sein Vermögen also mehreren Personen nacheinander zukommen lassen möchte, braucht er eine andere Lösung.

Die Allzweckwaffe des englischen und amerikanischen Rechts, insbesondere auch des Erbrechts, ist der Trust Fund. Solche Trusts gibt es in den verschiedensten Ausgestaltungen.

Zum einen unterscheidet man diese Trusts nach dem Zeitpunkt ihrer Entstehung: Es gibt Testamentary Trusts (auch bezeichnet als “Will Trust” or “Trust under Will”), die durch den Tod des Testators ausgelöst und ins Leben gerufen werden (“occasioned by the death of the Settlor”). Das Gegenstück ist der Inter Vivos Trust (manchmal auch “Living Trust” bezeichnet), der vom Settlor durch Erklärung zu Lebzeiten (Declaration of Trust) begründet wird, meist durch eine ausführliche Urkunde (Trust Deed). Diesen gibt es als widerruflichen (revocable) oder als verbindlichen (irrevocable) Trust.

Und vor allem muss man genau prüfen, ob es sich um einen Discretionary Trust oder einen Fixed Trust (auch “Unit Trust”) handelt. Dies hat nämlich gravierende Auswirkungen sowohl auf die erbschaftsteuerliche Behandlung in Deutschland als auch auf die Anspruchstellung der Begünstigten.

Bei einem Fixed Trust haben die im Dokument genannten begünstigten Personen (Beneficiaries) einen festen Rechtsanspruch auf Auszahlung, also eine Forderung. Auch wenn diese vom Trustee noch nicht gleich (sondern vielleicht erst Jahre später) beglichen wird, so sieht das deutsche Finanzamt diese Forderung als steuerpflichtig an. Und zwar in aller Regel sofort.

Beim echten Discretionary Trust dagegen hat der Treuhänder (Trustee) ein echtes Ermessen, ob, wem, wann und wie viel er der in der Trust-Urkunde bezeichneten Gruppe von Personen (Class of Beneficiaries) zukommen lässt. Solche Beneficiaries können namentlich bezeichnet (“my three children A, B and C”) oder nur allgemein umschrieben sein (“all British charity organisations for the welfare of Siamese cats”). Englische Anwälte beschreiben den Discretionary Trust in Erläuterungsschreiben an die Begünstigten meist so:

Die zentrale Aussage ist:

“…all distributions from the Will Trust are at the discretion of the Trustees … The Trustees can make such distributions as they in their discretion see fit …”

Übersetzt:

“… alle Auszahlungen aus dem testamentarischen Treuhandvermögen stehen im Ermessen der Treuhänder … Die Treuhänder können solche Auszahlungen nach ihrem Ermessen vornehmen, wie sie es für richtig halten …”

Die Trustees (meist sind es zum Zweck der gegenseitigen Kontrolle mindestens zwei) haben also einen erstaunlich weiten Ermessenspielraum, wann und an wen das Vermögen ausgeschüttet werden soll. Als deutscher Erbrechtsanwalt fällt einem hier sofort das Verbot der Delegierung der Erbenbestimmung ein. Im englischen Erbrecht ist das aber kein Problem, da es Erben nach deutscher Prägung gerade nicht gibt. Der Erblasser kann somit die Entscheidung darüber, wer den Nachlass erhalten soll, weitgehend oder sogar vollständig einem Dritten überlassen, eben den Trustees.

Wie gestaltet und formuliert man nun ein englisches Testament, das beim Tod des Testators einen solchen Testamentary Discretionary Trust entstehen lassen soll?

Wie oben erwähnt, gibt es dutzende Gestaltungsoptionen für einen solchen testamentarischen Trust. Die Eckpunkte eines typischen “Will Trust” sind:

This is the last Will and Testament of …

1. I REVOKE …

2. I APPOINT as my Executors and Trustees …

3. MY Trustees shall hold the whole of my estate on trust to retain or sell it and;-

(a) (i) to pay debts …; (ii) to pay any inheritance tax in respect of property passing under this will; (iii) to pay inheritance tax which becomes payable because of my death in respect of any transfer made by me in my lifetime; (iv) to pay any inheritance tax payable because of my death in respect of property in which I hold a beneficial interest as a joint tenant

(b) to hold the residue  (“the Trust Fund”) upon the trusts set out in clause 4 below

4. In this clause;-

(a) (i)  “the Trust Period” means the period starting with my death and ending 80 years afterwards (and that period is the perpetuity period applicable to this clause) and; (ii)  “the Beneficiaries” means …

(b) during the Trust Period my Trustees (being at least two in number or a trust corporation) may at any time or times: (i) by deed revocable or irrevocable appoint that all or any parts of the income or capital of the Trust Fund shall be held on such trusts (including discretionary and protective ones) in favour or for the benefit of all or any one or more of the Beneficiaries and with and subject to such powers (including dispositive and administrative ones exercisable by my Trustees or any other person) and other provisions as my Trustees think fit and; (ii) transfer all or any part or parts of the income or capital of the Trust Fund to the trustees of any Settlement wherever established (whose receipt shall be a good discharge to them) to be held free from the trusts of this Will and on the trusts and with and subject to the powers and provisions of that Settlement but only if …

(c) In default of and subject to any exercise of the powers given them by the preceding provisions: (i) during the Trust Period my Trustees shall pay or apply the income of the Trust Fund to or for the maintenance education support or otherwise for the benefit of such one or more of the Beneficiaries as my Trustees may in their absolute discretion think fit BUT with power (during the period of 21 years form my death) to accumulate and add to capital such income or any part or parts of it (and to apply the accumulations of past years as income of the current year) AND with power (during the Trust Period) to resolve to hold the whole or any part or parts of such income as income on trust for any of the Beneficiaries absolutely and; (ii) on the expiry of the Trust Period my Trustees shall hold the Trust Fund as to both capital and income absolutely for …

(d) to avoid doubt I DECLARE that my Trustees may exercise the powers given by them by (b) above before the administration  of my estate is complete and even before a grant of representation has been obtained

(e) my Trustees (being at least two in number or a trust corporation) may by deed or deeds (and so as to bind their successors) wholly or partially release any of the powers given them by this clause

5. MY Trustees shall have the following powers;- (…)

Fazit: Testamentarische Trusts nach Common Law Recht sind schon per se eine hoch komplexe Materie. Die rechtlichen Details und die verwendeten Fachbbegriffe unterscheiden sich zudem in den jeweiligen Ländern des anglo-amerikanischen Rechtskreises: In Australien und Südafrika werden andere Begriffe verwendet als in den USA, dort wiederum andere als in England, Schottland, Jersey u.s.w.

Noch undurchschaubarer wird es, wenn es um die Frage geht, wie anglo-amerikanische Trusts in Deutschland und Österreich einzuordnen und zu behandeln sind, da das deutsche Zivilrecht so etwas wie einen Trust nicht kennt (eine Stiftung ist etwas völlig anderes).

Und wie schließlich das deutsche Erbschaftsteuerfinanzamt deutsche Begünstigte eines Trusts behandelt ist meist ein Roulettespiel mit offenem Ausgang für alle Beteiligten. Wer internationale Testamente gestaltet, muss deshalb immer auch die Situation bei Empfängern im Ausland im Auge behalten. Die schönste Steueroptimierung in UK nützt im Ergebnis wenig, wenn man den deutschen Begünstigten im schlimmsten Fall eine doppelte Besteuerung der Erbmasse in der schlechtesten Steuerklasse beschert.

 

Falls Sie bei einer anglo-amerikanischen Rechtsangelegenheit Unterstützung benötigen, stehen Ihnen die Anwälte der Kanzlei Graf & Partner mit ihrem internationalen Netzwerk in Europa sowie im außereuropäischen englischsprachigen Rechtsraum gerne zur Verfügung. In UK, Kanada sowie den meisten großen US-Bundesstaaten verfügen wir über gute persönliche Kontakte zu Attorneys-at-Law in mittelgroßen Kanzleien.

Wir arbeiten bei der Erstellung von Testamenten seit Jahren mit Fragebögen und Checklisten. Besonders wichtig sind diese für internationale Fallkonstellationen. Wer sich bei der Testamentsgestaltung beraten lassen möchte, findet diese Mandantenfragebögen auf der Kanzleiwebsite in deutscher und englischer Fassung hier:

Weitere Informationen finden sich auch in unseren beiden Broschüren zum deutschen und internationalen Erbrecht:

Weitere Infos zum internationalen Erbrecht und zur Erbschaftsteuer in Deutschland, UK, USA und anderen Ländern:

England: Werden lebzeitige Schenkungen auf späteres Erbe angerechnet?

Musterformulierung für Anrechnungsklausel in englischem Testament

In der Regel wollen Eltern ihre Kinder bei Schenkungen und Erbschaft gleich behandeln. Deshalb stellt sich (in Deutschland wie in England) manchmal die Frage, ob sich eines von mehreren Kindern eine lebzeitige Schenkung, die es von einem Elternteil erhalten hat, auf den späteren Erbteil anrechnen lassen muss. Ob diese Vorabschenkung also vom späteren Erbe abgezogen wird.

In Deutschland gibt es für solche Fälle die Auslegungsregel des § 2050 BGB. Hiernach besteht unter Geschwistern eine solche Ausgleichspflicht von Vorabempfängen, es sei denn, der Schenker hat “bei der Zuwendung etwas anderes angeordnet”. Wichtig: Der Paragraph gilt nur bei gesetzlicher Erbfolge. Hat der Schenker also ein Testament erstellt und steht in diesem Testament keine Anrechnung, dann hat der Beschenkte Glück gehabt und erhält das Geschenk ohne Anrechnung, also zusätzlich zu seinem vollen Erbteil.

Wie ist es nun im englischen Erbrecht?

Hier gibt es keine gesetzliche Auslegungsregel. Es empfiehlt sich also, dass ein Testamentsersteller (Testator) in seinem Last Will ausdrücklich regelt, wie solche lebzeitigen Schenkungen (lifetime gifts) behandelt werden sollen, damit es später nicht zu einer (in England extrem teuren) gerichtlichen Auseinandersetzung kommt.

Hier eine typische Formulierung für eine derartige Anrechnungsklausel in einem englischen Testament:

 

 

Je nach Wunsch des Erblassers enthält die Klausel dann das Wörtchen “not” oder eben nicht.

Weitere allgemeine Informationen zu Erbrecht, Nachlassabwicklung und Erbschaftsteuer in Deutschland, UK und anderen Commonwealth Ländern:

Die 2003 gegründete Kanzlei Graf & Partner ist mit ihrer englischspachigen Prozessabteilung (GP Chambers) auf grenzüberschreitende Rechtsfälle spezialisiert, insbesondere auf deutsch-britische und deutsch-amerikanische Wirtschaftsstreitigkeiten, Scheidungen und internationale Erbfälle. Falls Sie bei einer anglo-amerikanischen Rechtsangelegenheit sowie in Erbschaftsteuerfragen Unterstützung benötigen, stehen Ihnen die Anwälte der Kanzlei Graf & Partner mit ihrem internationalen Netzwerk in Europa sowie im außereuropäischen englischsprachigen Rechtsraum gerne zur Verfügung. In UK, Kanada sowie den meisten großen US-Bundesstaaten verfügen wir über gute persönliche Kontakte zu Attorneys-at-Law in mittelgroßen Kanzleien. Wenden Sie sich für eine Terminvereinbarung gerne an die Kanzlei Graf & Partner unter 0941 / 463 7070.