Grundbuchabfrage in England

Wie findet man heraus, wem eine Immobilie in England gehört?

Wer in England eine Immobilie kaufen oder mieten möchte oder wer zum Beispiel einen Kredit durch eine englische Immobilie absichern will, muss sich zuvor vergewissern, wem das Grundstück oder die Eigentumswohnung gehört.

Über eine offizielle Grundbuchabfrage beim englischen Grundbuchamt (HM Land Registry) findet man den aktuellen Eigentümer (registered property owner) heraus. Die Eigentumsurkunde “Title Deed” erhält man auf Anfrage per Formular (hier).als offizielle beglaubigte Abschrift (“official copy”). In manchen Fällen ist auch eine Online-Abfrage möglich, wobei noch nicht alle Gegenden von Großbritannien vollständig im elektronischen Grundbuch erfasst sind. Im Unterschied zu Deutschland (hier), muss man in Großbritannien kein berechtigtes Interesse nachweisen, um Einblich ins englische Grundbuch zu erhalten.

Grundbuchrecherche in UK

Wir führen auf Wunsch Grundbuchrecherchen in England für Sie durch. Pro Immobilie, also für jede zu recherchierende Adresse, berechnen wir eine Pauschalgebühr von 90 Euro plus Umsatzsteuer.

Falls Sie rechtliche Unterstützung bei einer konkreten Immobilientransaktion in Großbritannien oder in den USA (dort gelten wieder andere Regeln) benötigen, stehen Ihnen die Anwälte der Kanzlei Graf & Partner sowie die englischen Solicitors der Partnerkanzlei Lyndales gerne zur Verfügung. Ihr Ansprechpartner ist Bernhard Schmeilzl, Rechtsanwalt & Master of Laws (Leicester, England), Telefon +49 (0) 941 – 463 7070.

Weitere Beiträge zu den Themen Immobilienkauf in England und den USA sowie Testamentsgestaltung bei Vermögen im Ausland hier:

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Die 2003 gegründete Kanzlei Graf & Partner ist mit ihrer Abteilung für britisch-deutsche Prozessführung (GP Chambers) auf grenzüberschreitende Rechtsfälle spezialisiert, insbesondere auf deutsch-britische sowie deutsch-amerikanische Wirtschaftsstreitigkeiten, Scheidungen und Erbfälle. Das Experten-Team deutscher und englischer Anwälte und Steuerberater regelt internationale Erbfälle und wickelt Nachlässe für die Erben in Deutschland, USA, England und anderen Common Law Rechtsordnungen ab.

In England 2018 erstmals mehr Anwältinnen als Anwälte

Die “Law Society of England & Wales” (Schottland hat seine eigene Law Society) weist darauf hin, dass laut Statistikauswertung für das Jahr 2017 in England und Wales zum ersten Mal mehr weibliche Solicitors als männliche Kollegen zugelassen sind, nämlich 50,1%.

Insgesamt sind in England und Wales 139,624 Solicitors als “PC holder” registriert, d.h. sie besitzen ein sog. “practising certificate”, 2,5% mehr als noch 2016. Übrigens: Sowohl das Practising Certificate (Anwaltszulassung) wie auch die anwaltliche Berufshaftpflichtversicherung (Professional Indemnity Insurance) müssen in England jedes Jahr aktiv durch Antrag des Anwalts verlängert werden. Für deutsche Rechtsanwälte eine seltsame Vorstellung.

Weitere Informationen zum Thema Anwälte im Vereinigten Königreich hier:

Solicitors, Barristers und Solicitor Advocates – wer darf eigentlich was?

… und auf den englischsprachigen Wikipedia-Websites Solicitors, Baristers in England and Wales, Barristers (around the world) und Solicitor Advocates sowie auf den Portalen der Standesorganisationen The Law Society und The Bar Council.

Deutsch-holländische Erbfälle sind meist „tamelijk ingewikkeld“*

* ziemlich kompliziert

Deutschland und die Niederlande sind Nachbarn mit 570km gemeinsamer Grenze. Holländer arbeiten und wohnen in Deutschland. Deutsche arbeiten und wohnen in Holland. Manchmal heiraten sie sich sogar. Kommt es in einer solchen Konstellation zum Erbfall, stellt sich die Frage, ob deutsches oder niederländisches Erbrecht gilt. Und wo das Erbe versteuert werden muss.

Unterschiede zwischen holländischem und deutschem Erbrecht

Beim sogenannten „materiellen Erbrecht“, also der Frage, wer mit welcher Quote erbt (Erbfolge), gibt es zwischen Holland und Deutschland durchaus erhebliche Unterschiede. So hat zum Beispiel der überlebende Ehegatte nach holländischem Erbrecht eine erheblich bessere Position als nach deutschem Erbrecht. In Holland gilt das Prinzip der „elterlichen Nachlassverteilung“, d.h. seit der Reform des holländischen Erbrechts zum 1.1.2003 wird der überlebende Ehepartner in der Regel unmittelbar dinglicher Eigentümer des gesamten Nachlasses und schuldet den Kindern nur Geldforderungen in Höhe des Wertes ihrer Erbteile; diese schuldrechtliche Geldforderung der Kinder ist dann sogar bis zum Tod des länger lebenden Ehepartners gestundet, d.h. die Kinder erhalten zunächst einmal gar nichts. Ein gravierender Unterschied zur deutschen Erbfolge, nach der der Ehegatte in der häufigsten Konstellation (nur) die Hälfte des Nachlasses erbt und sich mit dem Kind (bzw. den Kindern) in einer Erbengemeinschaft wiederfindet.

Insgesamt sind die Regeln des niederländischen Erbrechts strenger, erlauben also keine so freie Testamentsgestaltung wie das deutsche Erbrecht. So sind in Holland zum Beispiel Erbverträge ebenso unzulässig wie die Anordnung von Vor- und Nacherbschaften. Die Details sind kompliziert.

Wann gilt also das deutsche und wann das niederländische Erbrecht?

Gemäß EU-Erbrechtsverordnung, die auf alle Todesfälle ab 17. August 2015 anwendbar ist, kommt es darauf an, wo der Verstorbene seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte. Zieht also ein Holländer dauerhaft nach Deutschland, so gelten für ihn plötzlich die Regeln des deutschen Erbrechts, ob er das weiß und will oder nicht. Umgekehrt natürlich ebenso, wenn ein Deutscher seinen Wohnsitz nach Holland verlegt. Wer ins Ausland umzieht, sollte sich daher informieren, was nach dortigem Recht im Erbfall gilt. Gefällt einem diese gesetzliche Erbfolge nicht, so sollte man dringend ein Testament erstellen. Die EU-ErbVO lässt nämlich zu, dass man sein „Heimatrecht“ wählt. Der niederländische Expat kann somit in einem Testament anordnen, dass im Fall seines Todes das holländische Erbrecht gelten soll. Umgekehrt natürlich ebenso.

Tipp: Wer im Internet Informationen zu internationalen Erbfällen recherchiert, muss unbedingt darauf achten, ob sich die Artikel bereits auf die neue Rechtslage ab August 2015 beziehen. Sehr viele im Internet verfügbare Beiträge zu grenzüberschreitenden Erbfällen sind seit Inkrafttreten der EU-Erbrechtsverordnung veraltet, d.h. inhaltlich schlicht falsch.

 

Und wer kassiert bei deutsch-niederländischen Erbfällen die Erbschaftsteuer?

Diese Frage ist noch komplizierter als die Frage nach dem anwendbaren materiellen Erbrecht. Die EU-ErbVO hat mit den Erbschaftsteuern nichts zu tun. Steuergesetze sind rein nationale Vorschriften. Man muss in einem deutsch-niederländischen Erbfall also immer sowohl aus deutscher wie auch aus holländischer Perspektive prüfen, ob Erbschaftsteuer anfällt. In unglücklichen Fallkonstellationen kann es auch zur Doppelbesteuerung kommen.

Das holländische Erbschaftsteuerrecht unterscheidet sich erheblich von den aus Deutschland bekannten Prinzipien. Zwar gilt sowohl in Holland als auch in Deutschland das Universalitätsprinzip (oder Weltprinzip). Das heißt, in beiden Staaten ist jeweils der gesamte weltweite Nachlass der Erbschaftssteuer unterworfen. Dabei ist völlig gleichgültig, wo der Nachlass belegen ist und ob auf diesen Nachlass (wenn und soweit er sich im Ausland befindet) bereits in einem anderen Land Erbschaftssteuer erhoben wurde. Auch wird die Erbschaftsteuer sowohl in Deutschland wie in Holland als Erbanfallsteuer vom Begünstigten (Erben, Vermächtnisnehmer etc.) erhoben. Steuerschuldner ist damit jeweils der Begünstigte selbst, etwa im Unterschied zu England, wo die Erbschaftsteuer vor Verteilung der Erbmasse als Nachlasssteuer direkt vom Nachlass abgezogen wird (Details dazu hier).

Die Ermittlung der Steuerpflicht, also die Frage, wer überhaupt Erbschaftsteuer zahlen muss, erfolgt sowohl im niederländischen wie im deutschen Erbschaftsteuerrecht nach ähnlichen Prinzipien. In den Niederlanden tritt die unbeschränkte Steuerpflicht über den weltweiten Nachlass ein, wenn der Erblasser – egal welcher Staatsangehörigkeit – in den Niederlanden seinen dauernden Wohnsitz hatte.

Bei der konkreten Berechnung der Erbschaftssteuer ist das niederländische Finanzamt jedoch deutlich rigoroser. Selbst für Kinder des Erblassers gilt bereits ab einem Erbanateil von 121.297 EUR einen Steuersatz von 20%. Zum Vergleich: in Deutschland gilt für Abkömmlinge ein vergleichbarer Steuersatz von 19% erst ab einem Zufluss von 6 Millionen Euro aufwärts.

Der Freibetrag beträgt dabei lediglich 20.047 EUR und kann nur geltend gemacht werden, wenn der Erblasser selbst in den Niederlanden ansässig war. Betrüblich, wenn man bedenkt, dass ein niederländischer Erblasser bis 10 Jahre nach einem Wegzug aus den Niederlanden dort unbeschränkt steuerpflichtig bleibt…

Zuständig und verantwortlich für die Abgabe der Steuererklärung ist übrigens der „Executeur-testamentair“ (Testamentsvollstrecker), wenn ein solcher im Testament benannt ist. Je nach Formulierung im Testament gilt dies dann auch für die ausländische Steuererklärung.

Fazit: Erben und Vererben in deutsch-holländischen Konstellationen kann daher unschöne Überraschungen mit sich bringen. Eine frühzeitige Nachlassplanung kann in diesen Fällen einiges an Ärger, Kosten und Steuern sparen.

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Familien mit Auslandsvermögen sollten bei der Erstellung ihrer Testamente besonders sorgsam sein und die praktischen Folgen des Erbfalls aus Perspektive jedes Landes durchdenken, in dem die Familie Vermögen besitzt. Wir bieten unseren internationalen Mandanten hierfür seit Jahren Fragebögen und Checklisten. Wer sich bei der Testamentsgestaltung beraten lassen möchte, findet diese Mandantenfragebögen auf der Kanzleiwebsite in deutscher und englischer Fassung hier:

Weitere Informationen finden sich auch in unseren beiden Broschüren zum deutschen und internationalen Erbrecht:

Weitere Infos speziell zu deutsch-österreichischen sowie deutsch-britischen und deutsch-amerikanischen Erbfällen finden Sie hier:

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Die 2003 gegründete Anwaltskanzlei Graf & Partner ist spezialisiert auf die Beratung bei deutschen Erbfällen mit Bezug zu Österreich, der Schweiz sowie zu  anglo-amerikanischen Jurisdiktionen (England, Schottland, USA, Kanada, Australien und Südafrika). Wir haben lange Jahre praktischer Erfahrung mit der Abwicklung deutsch-österreichischer und deutsch-schweizer Nachlassangelegenheiten sowie deutsch-britischer, deutsch-amerikanischer und deutsch-kanadischer Erbfälle und unterstützen die Erben, Testamentsvollstrecker oder Nachlassverwalter gerne.

Wir prüfen und strukturieren den Erbfall und dessen steuerliche Auswirkungen, organisieren die in den jeweiligen Ländern nötigen Maßnahmen, nehmen auf Wunsch Kontakt zu den Erbrechtsexperten im jeweiligen Ausland auf (von USA und England über Südafrika bis Australien), und koordinieren die Nachlassabwicklung. Dies vermeidet Doppelarbeit und beschleunigt den Zugriff auf das ausländische Erbe.

Falls Sie bei einem konkreten Erbfall rechtliche Unterstützung benötigen, stehen Ihnen die deutschen Anwälte der Kanzlei Graf & Partner sowie deren Partneranwälte in Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, England, Schottland und Irland gerne zur Verfügung unter Telefon 0941 463 7070.

Ehevertrag für deutsch-englische Paare unverzichtbar

In England gilt im Fall der Scheidung das Prinzip des “equal split”

Man ahnt, was das bedeutet: Wer einen Briten oder eine Britin heiratet und einige Jahre mit ihm/ihr in England zusammenlebt, hat im Fall der Scheidung prinzipiell Anspruch auf die Hälfte dessen gesamten Vermögens.

Das ist zumindest der gedankliche Ausgangspunkt des englischen Scheidungsrichters. Ich schreibe übrigens bewusst des englischen Richters, nicht des britischen, denn das Scheidungsrecht in Schottland, Nordirland und in der Republik Irland sind sehr verschieden vom Scheidungsrecht in England & Wales.

“Prinzipiell” bedeutet, dass das Scheidungsgericht von diesem “equal split” Prinzip nach den Umständen des Einzelfalls abweichen kann und dies auch tut. Das einschlägige Gesetz ist der Matrimonial Causes Act 1973, dort insbesondere Section 25.

Neben der Ehedauer, der Bedürftigkeit beider Ehegatten und anderer Kriterien ist seit einigen Jahren auch die Existenz eines Ehevertrags (Pre-Nuptial Agreement oder Post-Nuptial Agreement) von Bedeutung. Solche Eheverträge sind in England aber, im Unterschied zu Deutschland, nicht bindend, sondern nur ein Anhaltspunkt für das Gericht. Einer von vielen, siehe Section 25 Matrimonial Causes Act 1973

Ist ein Ehevertrag für deutsch-britische Paare sinnvoll?

Absolut! Denn sonst ist im Fall der Scheidung die Vermögenszuordnung im englischen Scheidungsprozess noch schwerer vorhersehbar als ohnehin schon. Nach englischem Recht gilt nämlich kein klar definierter Güterstand, wie man das aus Deutschland, Frankreich und anderen kontinentaleuropäischen Ländern kennt. Stattdessen hat das Familiengericht die freie Entscheidungsbefugnis, was es als “fair and reasonable” erachtet.

Für vermögende Deutsche, insbesondere Kinder aus Unternehmerfamilien, die einen englischen Partner heiraten wollen, kann das dazu führen, dass im Ernstfall der Scheidung später die Hälfte des gesamten Vermögens im Feuer steht, auch des Vermögens, das bereits vor der Heirat vorhanden war, also mit in die Ehe gebracht wurde. Für einen deutschen Scheidungsanwalt ein gewöhnungsbedürftiger Gedanke, da es nach deutschem Recht immer nur um den Zugewinn gehen kann, also um das während der Ehezeit erwirtschaftete zusätzliche vermögen.

Streng genommen ist die Nationalität des Partners egal. Es kommt nur darauf an, wo die Eheleute gemeinsam leben. Heiratet also ein Deutscher eine Französin, Italienerin oder Russin, gelten die identischen Grundsätze, wenn das Paar gemeinsam in England lebt und der scheidungswillige Partner in England den Scheidungsantrag stellt.

Hoffentlich existiert dann ein in England anerkannter Ehevertrag, der wenigstens die Grundzüge der Vermögenszuordnung vorgibt. Traditionell waren solche Eheverträge in England komplett unwirksam (void), weil man der Auffassung war, solche Eheverträge würden die Scheidung fördern, also die Unauflöslichkeit der Ehe torpedieren. Ein lustiges Argument im Land von Heinrich VIII.

Diese Einstellung hat sich aber in den letzten Jahren sukzessive geändert und Eheverträge sind seit langem nicht mehr völlig unbeachtlich. Spätestens seit der Entscheidung Radmacher vs. Granatino (2010) des UK Supreme Court steht fest, dass englische Scheidungsrichter den Inhalt von wirksam zustande gekommenen Eheverträgen mit in die Erwägungen für das Scheidungsurteil mit einbeziehen sollen. Bindungswirkung haben sie aber nach wie vor nicht. Gerichte sollen die Regelungen in Eheverträgen nur nicht “ohne gute Gründe” ignorieren. Deshalb ist ein Ehevertrag heutzutage auch in England besser als nichts.

Englischer oder deutscher Ehevertrag: Was ist besser?

Das ist eine schwierige Frage und hängt unter anderem davon ab, wo die Ehepartner Vermögen besitzen. Ein englischer Ehevertrag erfüllt ja nicht die Wirksamkeitsvoraussetzungen eines deutschen Ehevertrags. Umgekehrt enthalten deutsche notarielle Eheverträge in aller Regel nicht alles, was ein englisches Pre-Nuptial Agreement haben sollte, um vor einem englischen Familiengericht anerkannt zu werden (“indepedent legal counsel”, “full financial disclosure” etc). In manchen Konstellationen benötigt man daher sogar zwei Eheverträge, die dann natürlich inhaltlich aufeinander abgestimmt sein müssen.

Rechtsanwalt Bernhard Schmeilzl, LL.M. (Leicester) berät internationale Ehepaare bei der Gestaltung von Eheverträgen und Testamenten in Deutschland und Großbritannien. Er hält insbesondere auch Vorträge zum Thema Eheverträge für deutsch-englische Paare. Hier einige Folien aus der 30-seitigen Power Point Präsentation (auf Anfrage auch vollständig verfügbar):

Weitere Informationen zum deutsch-britischen Familien- und Scheidungsrecht finden Sie in diesen Beiträgen:

Cross Channel Lawyers ist ein Netzwerk von Anwälten, die auf deutsch-britische und deutsch-amerikanische Rechtsfälle spezialisiert sind, gegründet 2003 von Graf & Partner und deren Prozessrechtsabteilung GP Chambers. Falls Sie bei einer britisch-deutschen Rechtsangelegenheit Unterstützung benötigen, stehen Ihnen die deutschen Anwälte und Solicitors der Kanzlei Graf & Partner sowie die englischen Solicitors der Kanzlei Lyndales gerne zur Verfügung. Ihr Ansprechpartner in Deutschland ist Bernhard Schmeilzl, Rechtsanwalt & Master of Laws (Leicester, England), Telefon +49 (0) 941 – 463 7070.

Grenzenlose Strafverteidigung

Rechtsanwalt Alexander Greithaner berät deutsche und ausländische Mandanten in internationalen Strafrechtsfällen. Auf Deutsch, Englisch und Spanisch.

In Zeiten der Globalisierung wird auch das Strafrecht zunehmend internationaler. Die Strafnormen selbst entstammen zwar ganz überwiegend noch rein nationalem Recht. Ermittlungsbehörden sind jedoch immer häufiger mit grenzüberschreitenden Delikts-Sachverhalten konfrontiert, bei deren Aufklärung sie auf die Hilfe eines anderen Staates angewiesen sind. Hieraus hat sich in der Praxis ein „internationales Strafrecht“ entwickelt, das ein Strafverteidiger kennen muss, der Mandanten bei grenzüberschreitenden Strafrechtsfällen effektiv beraten und vertreten will.

Rechtsanwalt Greithaner verteidigt internationale Mandanten auf Deutsch, Englisch und Spanisch.

Dass deutsche Ermittlungsbehörden mit ausländischen Kollegen zusammenarbeiten ist heute keine Seltenheit mehr. Für die betroffenen Privatpersonen aber auch Unternehmen führt dies oft zu großer Ungewissheit, da sie mit ausländischen Rechtsvorschriften und Verfahrensabläufen noch weniger vertraut sind als mit den nationalen Normen. Ein im internationalen Strafrecht erfahrener Verteidiger kann dem Mandanten die Unterschiede erläutern und ihn darauf vorbereiten, was in den verschiedenen Ländern voraussichtlich als nächstes geschehen wird.

Polizei und Staatsanwaltschaften verschiedener Länder arbeiten oft sehr unterschiedlich. Für eine effektive Verteidigung ist in diesem Fall neben der Kenntnis der eigenen Rechtsordnung auch ein entsprechendes Verständnis der internationalen und europarechtlichen Vorschriften zwingend nötig. Und natürlich hilft es, wenn man die praktischen Gepflogenheiten der Ermittlungsbehörden in verschiedenen Ländern kennt. Eine Verteidigungsstrategie, die für Deutschland sinnvoll ist, kann in Großbritannien oder Spanien zum Bumerang werden.

Wirtschaftsdelikte und mehr

Rechtsanwalt Alexander Greithaner arbeitet ausschließlich als Strafverteidiger. Seine Schwerpunkte sind nationale und internationale Wirtschaftsdelikte (White Collar Crime, Non Compliance, Steuerstrafrecht, Insolvenzdelikte etc.) sowie Auslieferungsverfahren. Aber auch Verkehrsstraftaten, Betäubungsmitteldelikte sowie Sexualstrafrecht.

Perfekt in drei Sprachen

Gerade für ausländische Mandanten ist es von größter Wichtigkeit, dass ihr deutscher Strafverteidiger sie auch sprachlich perfekt versteht, nicht nur die groben Eckdaten des Sachverhalts, sondern auch die feinen Nuancen. Der in Mexico City geborene Rechtsanwalt verfügt über hervorragende Englisch- und Spanischkenntnisse und kommuniziert deshalb auch mit anglo-amerikanischen sowie ibero-lateinamerikanischen Mandanten auf muttersprachlichem Niveau. Nur so kann der Mandant darauf vertrauen, dass alle wichtigen Informationen auch bei seinem Strafverteidiger ankommen und richtig bewertet werden.

Strafverteidiger-Netzwerk im englisch- und spanischsprachigen Raum

Und: Im internationalen Strafrecht geht es natürlich nicht ohne gutes Netzwerk. Rechtsanwalt Greithaner hat beste Kontakte zu Strafverteidigern in ganz Europa und darüber hinaus. Besonders gute Beziehungen bestehen zu Strafrechtsanwälten in England, Spanien, USA und Lateinamerika.

Sie erreichen Rechtsanwalt Alexander Greithaner in der Kanzlei Gabler & Hendel unter 0049-941-30794890. Im Notfall auch unter 0049-160-94403335.

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Cross Channel Lawyers ist ein Netzwerk von auf deutsch-britische und deutsch-amerikanische Rechtsfälle spezialisierten Anwälten, gegründet 2003 von Graf & Partner und deren Prozessrechtsabteilung GP Chambers. Falls Sie bei einer britisch-deutschen Rechtsangelegenheit Unterstützung benötigen, stehen Ihnen die deutschen Anwälte und Solicitors der Kanzlei Graf & Partner sowie die englischen Solicitors der Kanzlei Lyndales gerne zur Verfügung. Ihr Ansprechpartner in Deutschland ist Bernhard Schmeilzl, Rechtsanwalt & Master of Laws (Leicester, England), Telefon +49 (0) 941 – 463 7070.

Schenkungen sind in England komplett steuerfrei. Wirklich?

Erhebt das britische Finanzamt nun Schenkungsteuer oder nicht?

In Deutschland werden lebzeitige Schenkungen und Vermögensübertragungen von Todes wegen (also Erbschaften, Vermächtnisse, Pflichtteilserwerbe) steuerlich gleich behandelt. In § 1 Absatz 1 Erbschaft- und Schenkungsteuergesetz ist geregelt:

Der Erbschaftsteuer (Schenkungsteuer) unterliegen:
1. der Erwerb von Todes wegen;
2. die Schenkungen unter Lebenden;
3. …

Es gelten die selben Steuerfreibeträge, Steuerklassen und Steuersätze. Ob man also bereits zu Lebzeiten etwas verschenkt oder es erst später vererbt, führt in Deutschland prinzipiell zum identischen steuerlichen Ergebnis. Wobei eine Schenkung natürlich die Vorteile hat, dass sich die Freibeträge nach 10 Jahren wieder erneuern und dass der geschenkte Gegenstand (zum Beispiel eine Immobilie) bei frühzeitiger Schenkung noch keinen so hohen Wert besitzt, wie viele Jahre später beim Erbfall.

Wie werden Schenkungen in Großbritannien besteuert?

In England ist das Thema Schenkungsteuer erheblich komplizierter. Prinzipiell gilt:

Eine Schenkung zu Lebzeiten oder eine Übertragung von Vermögen auf einen Living Trust (was in UK häufig als Gestaltungsmittel genutzt wird) löst per se noch keine Steuer aus.

Eine eigenständige “Gift Tax” (Schenkungsteuer) als solche existiert in Großbritannien nicht und die lebzeitige Schenkung muss dem Finanzamt zunächst auch gar nicht gemeldet werden.

Aber das britische Steuerrecht kennt zwei praxisrelevante Ausnahmen, in denen es faktisch doch zu einer Steuer auf die lebzeitige Schenkung kommt:

1) Der Schenker verstirbt, bevor volle sieben Jahre seit der Schenkung vergangen sind (“gifts made within 7 years before death“). In diesen Fällen müssen die Erben die Schenkung doch noch in der Erbschaftsteuererklärung angeben. Das britische Erbschaftsteuerfinanzamt rechnet den Wert der Schenkung (zum Zeitpunkt der Schenkung) wieder zum Nachlass hinzu und erhebt hierauf Erbschaftsteuer (Inheritance Tax). Das englische Finanzamt tut also so, als wäre der Wert der Schenkung immer noch im Nachlassvermögen vorhanden. Sinn der Regelung ist, dass man nicht kurz vor seinem Tod Vermögenswerte zu Lasten des Erbschaftsteuerfinanzamts verschenken können soll. Die englische Inheritance Tax soll also nicht einfach durch “Schenkungen auf dem Totenbett” umgangen werden können.

2) Der Schenker behält sich ein Nutzungsrecht an dem Schenkungsgegenstand vor, zum Beispiel ein Wohnrecht an einer verschenkten Immobilie (“gifts with reservation of benefit“). Auch dann wird der Wert der Schenkung dem zu versteuernden Nachlass hinzugerechnet und löst Inheritance Tax aus.

Hiervon gibt es gemäß der Systematik des englischen Steuerrechts aber wiederum Unterausnahmen:

1) Kleingeschenke im Wert bis zu 250 britische Pfund.

2) Schenkungen bis zu einem Gesamtwert von 3.000 britische Pfund pro Jahr. Wichtig für die zeitliche Planung solcher Schenkungen: Es gilt für die Nutzung dieses Schenkungsteuerfreibetrags nicht das Kalenderjahr, sondern das britische Steuerjahr (Tax Year), also von 6. April bis 5. April.

3) Schenkungen an Ehegatten (spouses) oder eingetragene Lebenpartner (civil partners), weil hier ja ohnehin der unbegrenzte Ehegattenfreibetrag gilt (unlimited spouse exemption).

Soweit die Systematik der steuerlichen Behandlungen von lebzeitigen Schenkungen im Vereinigten Königreich. Wer ganz konkret wissen will, wie das britische Finanzamt solche Schenkungen abfrägt und behandelt, kann sich hierzu das einschlägige Steuerformular IHT 403 ansehen. Informationen zur englischen Erbschaftsteuer, den Freibeträgen und Steuersätzen finden Sie hier:

Erbschaftssteuer in England: Steuersätze, Freibeträge, Anrechnung

Die 2003 gegründete Kanzlei Graf & Partner ist mit ihrer englischspachigen Prozessabteilung (GP Chambers) auf grenzüberschreitende Rechtsfälle spezialisiert, insbesondere auf deutsch-britische und deutsch-amerikanische Wirtschaftsstreitigkeiten, Scheidungen und internationale Erbfälle. Falls Sie bei einer anglo-amerikanischen Rechtsangelegenheit sowie in Erbschaftsteuerfragen Unterstützung benötigen, stehen Ihnen die Anwälte der Kanzlei Graf & Partner mit ihrem internationalen Netzwerk in Europa sowie im außereuropäischen englischsprachigen Rechtsraum gerne zur Verfügung. In UK, Kanada sowie den meisten großen US-Bundesstaaten verfügen wir über gute persönliche Kontakte zu Attorneys-at-Law in mittelgroßen Kanzleien.

“Der Stamm der Sioux wurde ordnungsgemäß benachrichtigt”

So der Beschluss vom 23. April 2018 des Circuit Court in Minnehaha County, South Dakota, USA. Wohl gemerkt ging es nicht etwa um eine Immobilienangelegenheit, eine Kasino-Lizenz im Reservat oder eine ähnliche Rechtsfrage, bei der man an amerikanische Ureinwohner denken würde. Der Fall war ganz einfach.

Ein deutscher Erblasser war in Deutschland verstorben ohne ein Testament zu hinterlassen. Eine der gesetzlichen Miterbinnen war seine 12jährige Enkelin. Diese lebte in USA bei einer Pflegefamilie, weil die nach USA ausgewanderten Eltern einige Jahre darauf bei einem Autounfall verunglückt waren.

Vormundschaft und Vermögenssorge in USA

Der vom deutschen Gericht bestellte Nachlasspfleger in Hamburg hat uns damit beauftragt, einen Nachweis aus USA dafür beizubringen, wer die minderjährige Miterbin rechtlich vertreten darf. Nach längerer Korrespondenz stellte sich heraus, dass dort bislang noch kein Gerichtsbeschluss hierüber existierte. Wir beantragten daher, dass der besagte County Court von Minnehaha im Bundesstaat South Dakota die Pflegemutter zum “Conservator” bestellt, vergleichbar einem deutschen Vormund. Ein solcher Conservator übernimmt (in der Regel) auch die Vermögenssorge

„ … shall have the authority regarding the … financial affairs…“

und muss dem US-Vormundschaftsgericht gegenüber regelmäßig einen Bericht abgeben (inkl. Vermögensaufstellung). Ein solcher Beschluss sowie der dazugehörige Vormundschaftsausweis (Letter of Conservatorship) genügt daher als Absicherung, um Erbanteile oder Pflichtteilsansprüche an in den USA lebenden Minderjährige auszuzahlen.

Und – Kuriosität am Rande – obwohl dieser deutsch-amerikanische Erbfall keinerlei Bezug zu Native Americans aufweist (Indianer sagt man schon lange nicht mehr), haben wir dabei gelernt, dass jeder Gerichtsbeschluss in Minnehaha County dem Stamm der Oglala Sioux zugestellt werden muss.

Hough, das Gericht hat gesprochen!

Falls Sie ein Rechtsproblem in Amerika haben und einen Attorney at Law benötigen, fragen Sie uns gerne.

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Das deutsch-britische Anwaltsteam der Kanzlei Graf & Partner löst seit 2003 deutsch-britische und deutsch-amerikanische Rechtsfragen. Die Prozessabteilung GP Chambers berät und vertritt deutsche, britische und US-amerikanische Unternehmen in Arbitrationverfahren wie in Gerichtsprozessen.

Infos zu US-amerikanischen Rechtsfragen, Vertragsgestaltung US-Style und Abwicklung deutsch-amerikanischer Erbfälle in diesen Posts:

Immobilienkauf in USA: Strandhaus in Malibu? So geht’s

Immobilienerwerb in den USA: Gibt es Beschränkungen für Ausländer?

See you in Court: Nicht von US-Anwälten einschüchtern lassen

Erbschaft aus USA: Was nun?

Die Erbtante  in USA – es gibt sie doch!

Der Verstorbene hatte Bankkonten oder Aktien in USA: Eigener US-Erbschein nötig?

Haftungsfalle für Erbrechtsanwälte: In USA und GB gibt es keine transmortale Vollmacht

Das US-Erbrecht kennt keine Pflichtteilsanspruch? Blödsinn

– Berufsrecht für US-amerikanische Rechtsanwälte

– Wie im Hollywood-Spielfilm: “You have been served!” (Zustellung in UK und USA)

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Oder geben Sie Ihren Suchbegriff im Suchfeld rechts oben ein. In unseren Blogs finden sich noch hunderte weiterer Beiträge unserer Experten zu deutsch-britischem und deutsch-amerikanischem Recht.

Erbschaftsteuererklärung in England: Crash Kurs für deutsche Steuerberater

Intensivseminar: Wie gibt man eine britische Erbschaftsteuererklärung ab?

Die Erbschaftsteuer (Inheritance Tax) in Großbritannien folgt ganz anderen Grundprinzipien als die deutsche Schenkungs- und Erbschaftsteuer. Als Stichworte nur: abweichende gesetzliche Erbfolge, kein Pflichtteil, Direktbesteuerung des Nachlasses (statt des jeweiligen Begünstigten), unbegrenzter Ehegattenfreibetrag, Testamentary Trusts als Gestaltungs-Regelfall in englischen Testamenten. Die Basics der britischen Inheritance Tax haben wir hier erklärt.

Wann ist bei einem deutschen Erbfall das englische Steuerrecht relevant?

Immer dann, wenn sich im Nachlass Vermögensgegenstände befinden, die in Großbritannien liegen. Und zwar, im Unterschied zu Deutschland, egal ob es sich dabei um Immobilien und wesentliche Unternehmensbeteiligungen handelt oder nur um bewegliches Vermögen (zum Beispiel Bankkonten). Der britische Fiskus (HMRC) besteuert immer alle in UK liegenden Nachlassgegenstände, wenn deren Gesamtwert die Freigrenze (nil-rate band) übersteigt. Auch wenn der Verstorbene kein Brite war und selbst wenn er keinen Wohnsitz in UK hatte. Ausnahmen gelten unter bestimmten Konstellationen für Ehegatten und gemeinnützige Organisationen als Empfänger.

Noch schlimmer ist es, wenn der Verstorbene sein Domicile im Vereinigten Königreich hatte oder wenn er erst weniger als drei Jahre vor seinem Tod aus UK weggezogen ist. Dann besteuert der englische Fiskus nämlich das gesamte Weltvermögen des Erblassers. Und zwar mit dem satten Pauschalsteuersatz von 40%. Unabhängig vom Verwandtschaftsgrad, also selbst wenn die Kinder des Verstorbenen die Erben sind.

Kann man sich als deutscher Steuerberater trauen, die Erbschaftsteuererklärung in England selbst abzugeben?

Nun, wir machen dies seit 2003 und et hät noch immer jot jejange. Aber im Ernst: Je nach Fallkonstellation kann die englische Erbschaftsteuererklärung völlig banal sein. Zum Beispiel wenn nur der Erblasser nie in England gelebt hat und dort nur ein “kleines Bankkonto” besaß, also nur das vereinfachte zweiseitige Formular IHT 207 ausgefüllt werden muss.

War der Erblasser dagegen Brite war hatte er zumindest einen Wohnsitz in UK, wird es erheblich mühsamer. Dann greift nämlich das umfassende Formular IHT 400 mit diversen Anlagen, mit Erläuterungen und Berechnungstabellen sind das insgesamt gut 150 Seiten.

In solchen Fällen besteht die Kunst zunächst darin, die für den internationalen Erbfall wirklich relevanten Formulare zu identifizieren. Die IHT Forms sind nämlich keineswegs selbsterklärend und für einen deutschen Steuerberater manchmal verwirrend, weil sie auf deutsch-britische Konstellationen nicht so recht passen. Man muss sich daher trauen, manche Formularpassagen einfach komplett durchzustreichen und groß “not applicable” quer über die Seite zu schreiben.

Selbst solche Fälle bekommt man aber gut in den Griff, wenn man die Grundprinzipien des englischen Erbschaftsteuerrechts einmal verstanden hat. Für deutsche Steuerkanzleien, die regelmäßig mit deutsch-britischen Erbfällen zu tun haben, kann es daher finanziell sehr lukrativ sein, sich in dieses Thema einzuarbeiten, um ab dann auch das IHT 400 Formular für die deutschen Erben selbst ausfüllen zu können. Denn die Alternative ist, die englische Steuererklärung von einem englischen Solicitor erstellen zu lassen. Zu Stundensätzen von in der Regel nicht unter 250 Pfund und mit langer Wartezeit, denn Solicitors sind nicht für ihre extrem schnelle Bearbeitung solcher internationaler Erbfälle berühmt.

Unsere Anwälte halten zu all diesen Themen rund um deutsch-britische Erbfälle regelmäßig Seminare und Workshops, sowohl für deutsche Steuerberater als auch für englische Solicitors, die wiederum oft die deutschen Seite nicht auf dem Bildschirm haben.

Gerne vermitteln wir auch den Steuerberatern und Fachanwälten für Steuerrecht Ihrer Kanzlei im Rahmen eines eintätigen Praxisseminars einen Einblick in die Erbrechts- und Steuerpraxis Englands.

Wir erläutern die häufigsten Missverständnisse zwischen deutschen und Britischen Beratern, verraten Tipps, wie deutsche Erben auf der Insel am schnellsten an ein Nachlasszeugnis gelangen, die englische Steuererklärung kosteneffizient erstellen und wie man doppelte Erbschaftsteuer vermeidet.  

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Die 2003 gegründete Kanzlei Graf & Partner ist mit ihrer englischspachigen Prozessabteilung (GP Chambers) auf grenzüberschreitende Rechtsfälle spezialisiert. Falls Sie bei einer anglo-amerikanischen Rechtsangelegenheit sowie in Erbschaftsteuerfragen Unterstützung benötigen, stehen Ihnen die Anwälte der Kanzlei Graf & Partner  gerne zur Verfügung. Telefon +49 (0)941 / 463 70 70.

Schenkungen an Stiefkinder: Finanzamt überraschend kulant

Stiefkinder sind heutzutage keine Seltenheit: Gut 13 Prozent der Familien in Deutschland sind sog. Patchwork-Konstellationen, d.h. einer der Ehepartner hat aus einer früheren Beziehung ein Kind mit in die jetzige Ehe gebracht. Verwandt ist dieses Kind dann nur mit einem der Ehepartner. Der andere Ehepartner ist – sofern er oder sie das Kind nicht adoptiert –  weder biologisch noch rechtlich verwandt, sondern lediglich verschwägert (obwohl man den Begriff für diese Konstellation alltagssprachlich nicht verwendet).

Das Stiefkind hat deshalb, wenn Stiefvater oder Stiefmutter stirbt, auch kein gesetzliches Erbrecht, geht also ohne Testament komplett leer aus. Im BGB kommt der Begriff Stiefkind auch gar nicht vor, weder im Kapitel Erbrecht, noch im Kapitel Familienrecht.

Das Stiefkind im Erbschaftsteuerrecht

Was aber, wenn Stiefvater oder Stiefmutter ein gutes Verhältnis zu ihrem Stiefkind haben, das viele Jahre bei ihnen im Haushalt lebte, und es deshalb im Testament bedenken wollen, entweder als (Mit-)Erbe oder als Vermächtnisnehmer.

In dieser Konstellation vermuten die meisten unserer Mandanten, dass das Stiefkind steuerlich nur einen geringen Freibetrag zur Verfügung hat und das Erbe oder die Schenkung in der ungünstigsten Steuerklasse versteuern muss. Es ist ja schließlich nicht verwandt.

Doch siehe da: Das deutsche Steuerrecht behandelt Stiefkinder keineswegs, nun ja, stiefmütterlich. Zur großen und freudigen Überraschung vieler Mandanten in Patchwork-Familien stellt § 15 Abs. 1 Nr. 2 Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG) Stiefkinder und leibliche Kinder absolut gleich.

Stiefkinder haben, wie leibliche oder adoptierte Kinder, einen Schenkungs- bzw. Erbschaftsteuerfreibetrag von 400.000 Euro und es gelten für sie die humanen Steuersätze der Steuerklasse I (beginnend bei 7%). Stiefkinder sind somit erbschaft- und schenkungsteuerlich den leiblichen Kindern gleichgestellt.

Es geht sogar noch weiter: Selbst wenn die Patchwork-Familie wieder auseinandergeht, sich also leiblicher Elternteil und Stiefelternteil wieder scheiden lassen, behält das Stiefkind im Verhältnis zu seinem Ex-Schwiegervater bzw. zur Ex-Schwiegermutter diese steuerliche Privilegierung. Juristisch formuliert: Die Stiefkindschaft besteht steuerlich betrachtet auch dann fort, wenn die die Stiefkindschaft begründende Ehe erloschen ist (BFH v. 19.4.1989, II R 27/86, BStBl II 1989, 627).

Der Bundesfinanzhof argumentiert:

Die Begünstigung der Stiefkindschaft habe ihren Grund darin, dass ein Ehepartner auch zu solchen Kindern, die nur von dem anderen Teil abstammen und keine gemeinsamen Kinder sind, tatsächliche (persönliche) Bindungen haben kann; diese Beziehungen sollen in gleicher Weise wie diejenigen zwischen Eltern und ihren leiblichen Kindern begünstigt werden. Deshalb sei es unerheblich, ob die Ehe zur Zeit des Erwerbsvorgangs noch besteht oder infolge Tod oder Scheidung beendet ist. Denn vom Fortbestand der Ehe seien die Beziehungen, welche der Gesetzgeber als begünstigenswert ansieht, nicht abhängig. Auch für Stiefkinder sind alle anderen verwandtschaftlichen Einstufungen i.S. d. § 15 ErbStG wie bei leiblichen Kindern vorzunehmen (BFH v. 6.9.1989, II R 87/87, BStBl II 1989, 898; H E 15.1 ErbStH 2011).

 

Fraglich ist allerdings, ob das auch dann gilt, wenn vom zeitlichen Ablauf her gar keine Chance für den Aufbau einer solchen persönlichen Bindung bestanden hat. Wenn also zum Beispiel M und F1 in erster Ehe das gemeinsame Kind K hatten, sich nach 30 Jahren Ehe scheiden ließen und M dann F2 heiratet. Kann F2 dann, wenn es aus welchen Gründen auch immer das Kind K gerne mag, diesem auch 400.000 Euro steuerfrei schenken? Obwohl K zum Zeitpunkt der zweiten Eheschleißung längst erwachsen war und nie im Haushalt von F2 gelebt hat? Ich habe hier so meine Zweifel, ob die Kulanz des Finanzamts auch diese Konstellation abdeckt. Urteile zu dieser Gestaltung gibt es wohl nocht nicht.

Fazit:

Im Ergebnis hat ein Erblasser wegen § 15 und § 15 ErbStG die Möglichkeit, auch Stiefkindern, zu denen er oder sie ein gutes persönliches Verhältnis aufgebaut hat, hohe Beträge zu Lebzeiten zu schenken oder in einem Testament zu vermachen.

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Die 2003 gegründete Anwaltskanzlei Graf & Partner ist neben der Beratung in deutschen Erbfällen auch spezialisiert auf Erbfälle mit Bezug zu Österreich, der Schweiz sowie zu  anglo-amerikanischen Jurisdiktionen (England, Schottland, USA, Kanada, Australien und Südafrika), also speziell die Abwicklung deutsch-österreichischer und deutsch-schweizer Nachlassangelegenheiten sowie deutsch-britischer, deutsch-amerikanischer und und deutsch-kanadischer Erbfälle. Wer sich mit der Abwicklung einer komplizierten internationalen Nachlassangelegenheit konfrontiert sieht, muss nicht verzweifeln. Die Anwälte für internationales Erbrecht haben lange Jahre praktische Erfahrung und unterstützen die Erben, Testamentsvollstrecker oder Nachlassverwalter gerne. Wir prüfen und strukturieren den Erbfall und dessen steuerlichen Auswirkungen, organisieren die in den jeweiligen Ländern nötigen Maßnahmen, nehmen auf Wunsch Kontakt zu den Erbrechtsexperten im jeweiligen Ausland auf (von USA und England über Südafrika bis Australien), und koordinieren die Nachlassabwicklung. Dies vermeidet Doppelarbeit und beschleunigt den Zugriff auf das ausländische Erbe.

Falls Sie bei einem konkreten Erbfall rechtliche Unterstützung benötigen, stehen Ihnen die deutschen Anwälte der Kanzlei Graf & Partner sowie deren Partneranwälte in Österreich, der Schweiz, England, Schottland und Irland gerne zur Verfügung. Ihre Ansprechpartner sind Rechtsanwältin Katrin Groll und Bernhard Schmeilzl, Rechtsanwalt & Master of Laws (Leicester, England), zentrale Rufnummer: 0941 463 7070.

Erbschaft aus England: Wer zahlt die britische und wer die deutsche Erbschaftsteuer?

Oder: Was englische Erbrechtsanwälte (Will Solicitors) bei der Gestaltung von “Last Wills” fast immer vergessen

Nach britischem Steuerrecht wird die Erbschaftsteuer (Inheritance Tax) direkt vom Nachlass erhoben und zwar sofort, also schon bevor überhaupt der englische Erbschein (Grant) erteilt wird. Wer die Begünstigten sind, kann dem britischen Finanzamt damit (fast) egal sein, denn die Steuer wird eingezogen, bevor das verbleibende Nachlassvermögen unter den Miterben verteilt wird. Wer somit wirtschaftlich betrachtet die englische Erbschaftsteuer trägt (von wessen Erbteil die Steuer also bei der Verteilung der nach Steuer verbleibenden Erbmasse abgezogen wird), müssen die Begünstigten im Innenverhältnis unter sich ausmachen. Hier kann es – vor allem bei unklaren Testamenten – zu massivem Streit kommen.

Was bedeutet “free of tax”? Und meint die Klausel auch die deutsche Erbschaftsteuer?

Ich habe bereits in einem früheren Beitrag erklärt, warum die in England oft verwendete “free of tax” Klausel für einen deutschen Vermächtnisnehmer oder Miterben zum Eigentor werden kann. Die vom Testamentsersteller gut gemeinte Klausel führt nämlich dazu, dass der deutsche Begünstigte keine Anrechnung der englischen Inheritance Tax nach § 21 ErbStG beantragen kann.

Aber auch die umgekehrte Fallkonstellation führt zu schwierigen Fragen bei der Abwicklung deutsch-britischer Erbfälle. Manchmal möchte der englische Erblasser (Testator) jemandem ein Vermächtnis zuwenden, aber die übrigen Erben nicht mit der englischen Inheritance Tax belasten, die auf dieses Vermächtnis entfällt.

Ein Beispiel: Der Erblasser besitzt 500.000 Pfund in bar und eine Immobilie im Wert von 500.000 Pfund. Wendet er im Testament das Geld dem Begünstigten A zu und die Immobilie dem Begünstigten B, dann ist die (leicht vereinfachte) Steuerberechnung und Verteilung des Restnachlasses wie folgt:

Nachlasswert insgesamt 1.000.000 Pfund
./. minus Freigrenze (nil-rate band) von 325.000 Pfund
Der Rest von 675.000 wird mit 40% besteuert, somit resultiert eine UK Inheritance Tax (IHT) von 270.000 Pfund. Diese Inheritance Tax wird aus dem Nachlass bezahlt, faktisch also aus den 500.000 Pfund Bargeld. Für das englische Finanzamt ist das Thema damit beendet. Nicht aber im Innenverhältnis zwischen A und B:

Will B die Immobilie vom Executor (Nachlassverwalter) übertragen bekommen, muss er zuvor seinen Anteil an der UK-IHT (135.000 Pfund) an den Executor überweisen, sonst trägt A im Innenverhältnis ja zu viel an Steuer. Wohnt A in Deutschland, kann er die auf ihn (genauer gesagt auf die UK-Immobilie) entfallende englische Erbschaftsteuer aber wenigstens auf die deutsche Erbschaftsteuer anrechnen lassen (§ 21 ERbStG).

 

Abwandlung 1: Der Testator schreibt im Testament, dass B die Immobilie “free of tax” erhält. Das ist für A betrüblich, denn dann trägt A die gesamte englische Erbschaftsteuer von 270.000 Pfund aus seinem 500.000 Pfund-Erbanteil. Aber: Wohnt B in Deutschland, muss er die erlangte Immobilie natürlich in Deutschland versteuern. Wegen der “free of tax” Klausel entfällt nun aber in Deutschland die Anrechnung nach § 21 ErbStG. In Gesamtbetrachtung ist diese Gestaltung daher ungeschickt, weil insgesamt mehr Steuern anfallen, als nötig gewesen wäre.

Abwandlung 2: Der Testator will erreichen, dass B die komplette Erbschaftsteuerlast, die aus der Immobilie in UK resultiert, allein trägt, dem Begünstigten A also der englische Freibetrag (nil-rate band) von 325.000 Euro ungeschmälert zur Verfügung steht. Hierzu wird in der Praxis der Erbrechtsanwälte meist eine Formulierung wie diese gewählt:

“I give to B my house situate at … AND SUBJECT to the due payment by said B  in full exoneration of my estate of all liability in respect of inheritance tax payable by reason of my death attributable to the said property or this gift without taking into consideration the nil-rate band.”

Diese Formulierung ist also das Gegenteil von “free of tax”. Der Vermächtnisnehmer kann vom Executor die Übertragung des Hauses erst verlangen, nachdem er dem nachlass die komplette englische IHT erstattet hat. Auch in dieser Konstellation fällt natürlich auch wieder deutsche Erbschaftsteuer an, falls der Begünstigte in DE wohnt. Aber wenigstens gelingt hier wieder die Anrechnung der ausländischen (englischen) Steuer nach § 21 ErbStG.

Fast kein englisches Testament berücksichtigt die deutsche Steuer

Man sieht, wer internationale Testamente gestaltet, sei es als englischer Solicitor oder deutscher Rechtsanwalt, steht ganz schnell mit beiden Beinen im Fettnapf, ohne es vielleicht auch nur zu merken. Wenn Sie also mit einem deutsch-britischen Erbfall befasst sind oder ein Testament für einen Mandanten gestalten sollen, der Nachlassvermögen in anglo-amerikanischen Ländern (sog. Common Law Jurisdiktionen) besitzt, sollten Sie das Testament zur Sicherheit vielleicht einmal auf die damit im Ausland erzeugten zivilrechtlichen und steuerlichen Folgen hin prüfen lassen.

Unsere englischen Solicitors und deutschen Rechtsanwälte halten hierzu an Universitäten, für Anwaltskammern, Steuerberaterkammern und für interessierte Erbrechts- und internationale Steuerberaterkanzleien regelmäßig Seminare und Workshops. Wenn Sie Interesse am Thema internationale Nachlassabwicklung und internationale Erbschaftsteuer haben, vermitteln wir im Rahmen eines 90‑minütigen Vortrags gerne einen Einblick in die Erbrechtspraxis Großbritanniens, Irlands, Australiens und der USA. Wir erläutern die häufig auftauchenden Missverständnisse und verraten einige Tipps, wie man bei den Nachlassgerichten in Common Law Jurisdiktionen schneller ans Ziel kommt.

Weitere allgemeine Informationen zu Erbrecht, Nachlassabwicklung und Erbschaftsteuer in Deutschland, UK und anderen Commonwealth Ländern:

Die 2003 gegründete Kanzlei Graf & Partner ist mit ihrer englischspachigen Prozessabteilung (GP Chambers) auf grenzüberschreitende Rechtsfälle spezialisiert, insbesondere auf deutsch-britische und deutsch-amerikanische Wirtschaftsstreitigkeiten, Scheidungen und internationale Erbfälle. Falls Sie bei einer anglo-amerikanischen Rechtsangelegenheit sowie in Erbschaftsteuerfragen Unterstützung benötigen, stehen Ihnen die Anwälte der Kanzlei Graf & Partner mit ihrem internationalen Netzwerk in Europa sowie im außereuropäischen englischsprachigen Rechtsraum gerne zur Verfügung. In UK, Kanada sowie den meisten großen US-Bundesstaaten verfügen wir über gute persönliche Kontakte zu Attorneys-at-Law in mittelgroßen Kanzleien. Sie erreichen uns unter +49 941 463 7070.