Nachlassabwicklung bei deutsch-texanischen Erbfällen

Viele Texaner sind deutscher Abstammung. In den 1830er bis 1860er Jahren wanderten zehntausende Deutsche nach Texas aus und gründeten deutsche Siedlungen wie Fredricksburg, New Braunfels oder Bergheim. Noch 1870 sprach ein Drittel der Einwohner von San Antonio deutsch und die Sprache „Texasdeutsch“ hat es zu einem Wikipedia Eintrag gebracht. Deshalb ist es nicht ungewöhnlich, dass in Deutschland lebende Angehörige eines Texaners die nächsten Verwandten sind und unverhofft texanisches Vermögen erben.

Wo kommen all die Deutsch-Texaner her?

 

Das Erbrecht von Texas

Das texanische Erbrecht, ebenso wie das texanische Familienrecht hat im Vergleich zu den Erbrechtsvorschriften in den Küstenstaaten der USA zahlreiche Besonderheiten. So gilt neben dem in anglo-amerikanischen Rechtsordnungen üblichen Zwei-Zeugen-Testament nach dem Texas Probate Code auch ein eigenhändig erstelltes handschriftliches Testament (holographic will) ohne jeden Zeugen als wirksame letztwillige Verfügung. Im Nachbarstaat New Mexico ist das zum Beispiel nicht der Fall.

Auch was die Regeln der gesetzlichen Erbfolge angeht, hält das texanische Erbrecht einige Überraschungen bereit, etwas für uneheliche Kinder und Halbgeschwister, die deutlich schlechter gestellt sind. Was die Abwicklung eines texanischen Nachlasses weiter verkompliziert, ist das eheliche Güterrecht in Texas. Das texanische Ehegatten-Güterrecht unterscheidet nämlich zwischen „Separate Property“ und „Community Property“, also Vermögen, das jedem Ehepartner allein gehört und solchem, das den Eheleuten gemeinsam gehört. Für beide Vermögensarten existieren unterschiedliche Verteilungsregeln im Erbfall. In Patchwork-Konstellationen kann die Verteilung des texanischen Erbes zwischen dem überlebenden Ehegatten einerseits sowie den leiblichen Kindern und Stiefkindern des Erblassers sehr kompliziert werden. Rechts eine grafische Übersicht der gesetzlichen Erbfolge in Texas für Erblasser ohne Kinder (mit Kindern wird es noch etwas wilder).

Dauer des Erbscheinsverfahrens in Texas

Die Grundzüge der Nachlassabwicklung in Texas sind ähnlich gestaltet wie in den meisten US-Bundesstaaten, d.h. ein Executor bzw. Administrator beantragt „Probate“ (Nachlasszeugnis) und nimmt die Erbmasse (Estate) in Besitz. Die Verbindlichkeiten werden beglichen, danach wird das verbleibende Vermögen an die Begünstigten verteilt, die entweder Beneficiaries oder Heirs-at-Law heißen, je nachdem ob ein Testament existiert oder die gesetzliche Erbfolge nach texanischem Erbrecht eintritt. Das Verfahren der Nachlassabwicklung dauert in Texas erfahrungsgemäß nicht so lange wie in Kalifornien oder Florida, mit sechs bis 12 Monaten muss man aber mindestens rechnen, bis das Erbe in Texas verteilt werden kann.

Die Erbrechtsexperten von Graf & Partner beraten sowohl bei der Gestaltung von Testamenten und Living Trusts (nicht zu verwechseln mit Living Wills, d.h. Patientenverfügungen nach US-Recht), als auch bei der Abwicklung von Erbfällen in Texas, Kalifornien, Florida und anderen Bundesstaaten der USA. Mehr Infos zu Erbrecht, Nachlassabwicklung und Erbschaftsteuer in USA hier:

Die 2003 gegründete Kanzlei Graf & Partner ist mit ihrer englischspachigen Prozessabteilung (GermanCivilProcedure) auf grenzüberschreitende Rechtsfälle spezialisiert, insbesondere auf deutsch-britische und deutsch-amerikanische Wirtschaftsstreitigkeiten, Scheidungen und internationale Erbfälle. Falls Sie bei einer anglo-amerikanischen Rechtsangelegenheit Unterstützung benötigen, stehen Ihnen die Anwälte der Kanzlei Graf & Partner mit ihrem internationalen Netzwerk von US-amerikanischen Anwälten gerne zur Verfügung. Ihr Ansprechpartner in Deutschland ist Bernhard Schmeilzl, Rechtsanwalt & Master of Laws (Leicester, England), Telefon +49 (0) 941 – 463 7070.

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